Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1929)
- Date
- 1929-11-01
- Page
- Seite 516 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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516 Um den Zionismus. mehr erträgt, oder aber die Satire. Auch die Satire ist ein notwendiges publizistisches Element, auch sie hat ein Ethos, ein starkes Ethos sogar; sie ist im Typ das Korrelat der pathetischen Anklage und sie ist, wenn sie echt ist, nichts anderes als gefrorene Leidenschaft. Und es gibt Momente, wo sie schlechthin unentbehrlich wird. Nur sie kann eine sonst schwer erfaßbare Situation in solcher Kürze ganz scharf charakterisieren, nur sie mit so plastischer Deutlichkeit vor das Äuge des Beschauers stellen. Die Satire ist immer ungerecht, und doch in einem höheren Sinn gerecht: wenn sie Empfindlichkeiten nicht schont und scheinbare Äeußerlichkeiten geißelt, so will sie nicht in kleinbürgerlicher Gehässigkeit dem Nachsten etwas am Zeuge flicken, sondern sie will allgemeine Erscheinungen, die sie für gefährlich hält, anstatt in abstrakter Formel zu umschreiben, im Individuum als Durchgangspunkt konkret erfassen und bloßlegen; ein allgemeines Werturteil über den Menschen, an dem die zu treffende Erscheinung zufällig manifest wird, gibt sie aber damit keineswegs ab. Natürlich ist sie, wie jede Form, dem Mißbrauch zugänglich; aber es kommt eben darauf an, wer sie handhabt. Nach dieser prinzipiellen Einleitung, die Ihnen einigen Aufschluß über die Mentalität meines Aufsatzes geben sollte, möchte ich mit Ihnen noch rasch einige sachliche Punkte durchgehen, die einer Aufklärung bedürfen. Aber legen Sie bitte für einen Augenblick den Rotstift aus der Hand und folgen Sie mir zu einem kurzen Spaziergang, auf dem ich Ihnen kein wissenschaftliches System entwickeln, sondern nur andeutungswreise, in Stichworten gleichsam und die Probleme leicht anschlagend, einiges Wesentliche berühren will, solange mir der Herausgeber Redezeit gibt; ich hoffe, Sie werden mich diesmal verstehen. Meine Ausführungen über H e r z 1 haben Ihren stärksten Widerspruch erfahren. Erlauben Sie dazu ein grundsätzliches Wort. Ich bin durchaus kein Freund jener neuerdings beliebten Mode, die sich darin gefällt, verehrte Heldengestalten der Vergangenheit partout als unfähige Trottel hinzustellen. Die