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Jeschurun · 1929-11-01 · Heft 11-12 (November 1929) · p. Seite 517

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1929)
Issue
Heft 11-12 (November 1929)
Date
1929-11-01
Page
Seite 517 (sequence 7)
Language
German
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Um den Zionismus. 517 Legende ist schön und fruchtbar, auch wenn sie nicht wahr ist, und der Fanatismus der Richtigkeit erscheint mir gegenüber den Gefühlswerten und der Wärme, die die Legende im Volke verbreitet, nicht immer unbedingt wertvoller. Aber es gibt Fälle, wo es Pflicht ist, sie zu zerstören, und ein solcher Fall liegt hier bei Herzl vor. jedes Volk hat eine gewisse Rang- Ordnung seiner Großen, die nichts weniger als eine akademischhistorische Angelegenheit ist; sie greift im Gegenteil unmittelbar in die Gegenwart des Volkes ein und bildet die dauernde lebendige Grundlage seiner geistigen Existenz. Die Hierarchie seiner Helden setzt das Volk aus wachem Instinkt mit verantwortungsbewußter Sorgsamkeit zusammen, weil es weiß, daß vieles, wenn nicht alles, von ihr abhängt. Ihre Spitze macht es nur wenigen zugänglich: nur den ganz Großen, den kosmischen, den Ewigkeitsmenschen, den schöpferischen, königliehen Geistern, die sich ohne Bruch einfügen in die historische Kette seiner Führer, die das Schicksal ihres Volkes erkannt, in Blut und Seele ergriffen, in ihrem Leben verkörpert und in ihrem Werk gestaltet haben, nur ihnen gewährt es Einlaß in seinen höchsten Äreopag. Sie sind nie gestorben, sondern bleiben für alle Zeit die ewigen Baumeister des Volkes, an deren Gestalt es immer wieder seine letzten Werte orientiert. Die bloß Verdienten, die nicht mit ihrem ganzen Wesen in sein Schicksal eingegangen sind, mögen sie auch Gewaltiges gewirkt haben, schließt es von dieser höchsten Gemeinschaft aus. Und im jüdischen Volke, das wie kein anderes seine Ideale nur am lebendigen Menschen verifiziert, ist dieses sichtende Walten des Volksgeistes besonders stark ausgeprägt. Herzl gehört nicht zu jener ersten Kategorie von Führern. Er war ein großer Bereiter, ein mächtiger Anreger, ein Katalysator von ungeheurer Wirkung für die Entwicklung des nationalen Bewußtseins: ein Ewigkeitsmensch war er nicht. Seine Leistung ist, bei allem providentiellen Charakter, der ihr deutlieh aufgedrückt ist, mehr vorbereitender Art, und er war und blieb ein Außenseiter, eine episodische Erscheinung. Das Volk fühlt so etwas deutlich. Aber in verworrenen Zeiten wie diese

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