Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1929)
- Date
- 1929-09-01
- Page
- Seite 507 (sequence 85)
- Language
- German
- Belongs to
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Bücherbesprechungen 507 oder jedenfalls hauptsächlich den Satzakzent zu sehen, das ist eine Theorie, die man keinesfalls annehmen kann. Sobald man nämlich' den Text laut vorträgt, entsteht genau wie in jeder anderen Sprache der Satzakzent von selbst, und im Hebräischen wohl stärker als in den europäischen Sprachen, weil der Orientale im allgemeinen viel stärker akzentuiert und betont als der Europäer. Wie ist es aber, wenn man die Verse nur mit den Äugen liest, wenn man also den Sinn des Textes erforschen will? In einer Reihe von Beispielen, in denen Spanier allerlei Sätze ihrer grammatischen Struktur nach untersucht, sehen wir im Gegensatz zu Spanier ganz deutlich, daß die Äkzentuation in erster Linie nur den Sinn des Verses angibt, nur anzeigt, in welchem Verhältnis die einzelnen Worte zu einander stehen. Nur wenn wir den hermeneutischen Charakter der Äkzentuation als das Primäre annehmen, können wir die Akzentuation in den Beispielen auf S. 60 ff. verstehen (diese sind nur einige von vielen. Ehrentreu führt in seinen ״Untersuchungen über die Massora“ S. 19 ff. eine Reihe anderer Beispiele, schon aus Halacha und Midrasch, an). Wenn man dagegen den Satzakzent als das Primäre betrachtet, wird man in den erwähnten Fällen zur Kritik herausgefordert4‘ gegen die Massoreten, die eben andere Gesichtspunkte bei ihrer Akzentuierung hatten als die Regeln, die Spanier,! der zweifellos gut beobachtet hat, aus der Äkzentuation deduziert hat. Spanier muß daher auch S. 116 zugeben, daß ״so deutlich auch in der massoretischen Äkzentuation der Satzakzent zum Ausdruck kommt, so geschieht dies doch immer nur indirekt, und niemals ist es den Äkzentuatoren eingefallen, die Bewegungsrichtung der Stimme durch besondere Zeichen zu veranschaulichen.“ Wohl selten haben einmai gewählte und traditionell beibehaltene Bezeichnungen mehr Verwirrung verursacht als in der Erforschung der Akzente der Heiligen Schrift. Einerseits haftet man an der Be- Zeichnung Akzent, die m. E. verfehlt ist, da sie nur eine einzelne Funktion dieser Zeichen von vielen ausdrückt. Andererseits ist man schon seit jeher vom Ausdruck ׳בגינה arab. lahn (plur. alhahn beeinflußt worden, von Ausdrücken, die das musikalische Element in den Vordergrund rücken. Der Fehler aber, der den meisten Arbeiten über das Thema anhaftet, ist die unhistorische Betrachtungsweise des in unserem heutigen massoretischen Text vorliegenden Materials. Man bearbeitet einen Text, der von R. Jakob ben Hajim im 16. Jahrhundert kompiliert und festgelegt wurde, und vergißt, daß das äußere Bild des massoretischen Textes eine lange Entwicklung durchgemacht hat, die freilich schon in früher Zeit ziemlich abgeschlossen war, die aber doch in bezug auf gewisse mehr oder weniger bedeutungsvolle Minutien bis in die jüngste Zeit