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Jeschurun · 1929-09-01 · Heft 9-10 (September 1929) · p. Seite 505

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1929)
Issue
Heft 9-10 (September 1929)
Date
1929-09-01
Page
Seite 505 (sequence 83)
Language
German
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Bücherbesprechungen 505 vielmehr eine Äuswahl von Ärbeiten des Heimgegangenen mit einer biographischen und die Persönlichkeit Rabb. Kaplans in knappen Strichen umreißenden Einleitung. Die Dinge liegen aber m. E. tiefer. Wer diese Monatsschrift öfters liest, ist über die lebendige (wenn auch nicht immer stilgewandte) Sprache, die dieses Organ der Jugendlichen führt, erfreut — jedoch vermißt er hinter der Fülle der Worte und hinter der Originalität wertvoller Gedanken etwas Greifbares; man philosophiert, man dichtet, man wirft Geistes-׳ blitze hin, ohne sich zu einer gründlichen, irgendwie erschöpfenden Ärbeit entschließen zu können. Der ״Getreue“ sollte seiner Aufgabe treuer sein, die er sich zum Wohle des litauischen Judentums,, das der jüdischen Welt so viel gab und so viel noch zu geben hat, stellt. Trotz der allgemeinen und speziellen Anstellungen, die hier nicht alle geäußert werden können, ist diesem Hefte nicht nur wegen der großen Idee des Talmudkommentars und der neu veröffentlichten Kaplan ,sehen Dichtungen weite Verbreitung zu wünschen, sondern auch wegen der trefflichen Bemerkungen, zu denen die Betrachtung der Persönlichkeit dieses seltenen Mannes die Autoren angeregt hat. Nur auf Weniges kann hier hingewiesen werden. Der sprachgewaltigste Beitrag des Heftes ist der Nachruf Melzers, der seinerzeit im ״Jeschurun“ erschien, vielleicht auch die eindringendste Würdigung im ganzen Heft. Leo Deutschländers Erinnerungen an die gemeinsame Arbeit im litauischen Ministerium greifen ans Herz und man heißt wehmutsvoll die biographischen Notizen des Artikels פרקי חיים (freilich findet sich in den Notizen über die Berliner Zeit manche Unrichtigkeit) willkommen. Zu begrüßen ist trotz der Weitschweifigkeit und Ueberiadenheit des Stils die Wiedergabe einer Mussar-Aussprache (S. 4 ff.). Die Dozenten des Rabbiner-Seminars (eine Arbeit Dr. Wohlgemuths ist aus technischen Gründen unveröffentlicht geblieben) liefern Erinnerungen an den liebenswerten Kollegen und feinsinnige Bemerkungen über jüdische Ethik. Von den Aufsätzen allgemeiner Natur sei Wesselers geistvoller Aufsatz über ,jErlösungsglaube“ besonders hervorgehoben, der den jüdischen Begriff der Erlösung gegenüber nichtjüdischer Philosophie klarstellt und mit Recht gegen das immer üblicher werdende Ängstgeschrei: das Judentum in Gefahr! (es ist namentlich im ,,;Hannemon“ üblich) die Unabhängigkeit jüdischer Religion, die allein in Gottes Willen beschlossen ist, vom Menschsein betont. Auch Nathan Birnbaum hat einen Aufsatz über ,,ander Religiosität“ beigesteuert.. Jeder Autor, der sich in diesem Hefte mit der Persönlichkeit Kaplans ז״ל befaßt, weiß einen seiner großen Vorzüge ins rechte 6

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