Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1929)
- Date
- 1929-09-01
- Page
- Seite 502 (sequence 80)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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502 Der XVI. ZionistenkongreB und die erste Tagung usw. eine wirkliche Arbeitstagung, ein Parlament, das bereits seine Bestimmung hat und kennt. Wer ihn würdigen will, kann ihn nur als eine Etappe in der zionistischen Geschichte erfassen. Die Counciltagung war groß und ein unerwartetes Schauspiel jüdischer Lebenskraft und Entschlossenheit, als Erlebnis beglückend, als Versprechen eine echte Herzensstärkung. Von Zürich aus geht — des bin ich gewiß — eine neue aufsteigende Linie jüdischer Historie aus. Palästina wird — allen Erschütterungen zum Trotz — unsere Hoffnungen erfüllen, und die Judenheit wird in dieser Arbeit nicht nur einiger, verständnisbereiter, sondern reicher und erfüllter werden. Es ist unser Glaube, den nicht alle teilen werden, der nicht beweisbar ist, den aber viele mit intuitiver Gewißheit als großes Lebensgefühl in sich tragen — daß auf diesen verwickelten Wegen die Judenheit nicht nur den Rückweg in die Heimat finden, sondern den erneuten Zugang zu seiner großen Be- Stimmung, der unsterblichen Lehre Träger, Erfüller und Lehrer zu sein, wieder erschließen wird. Diese Kräfte werden in der Einheit und an der großen irdischen Aufgabe, die dennoch überirdisch verankert und metaphysisch gerichtet ist, erwachsen und erwachen. Mag noch so viel von den Zweiflern eingewendet werden: nur im Zusammenhang mit dem ganzen Volk, im stets verwirklichten Erzeugen der Einheit Gottes, Jsraels und der Thorah ist dem religiösen Bestreben unseres Volkes Erfüllung gewiß. Die Bereitschaft der Zionisten, die noch verständnislos der Tradition gegenüber stehen, für die gewaltige Aufgabe des Aufbaus von Erez Jisrael und die Wiedererweckung des Volkes ist so groß und echt, daß selbst das Torsohafte ihres jüdischen Seins uns zuversichtlich macht. Die Substanz der Menschen und der Bewegung ist groß, wenn sie solche Wunder wirkt. Ueberhaupt ist am Wirken und Können heute unsere Bedeutung zu ermessen und nicht an theoretischen Erörterungen, die blaß und schemenhaft sind. Blutvoll ist die Tat, hinter ihr steht der Wille der Geschichte und ihres Meisters. Die selbständige Orthodoxie hat zwar alle politischen Formen