Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1929)
- Date
- 1929-09-01
- Page
- Seite 500 (sequence 78)
- Language
- German
- Belongs to
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500 Der XVI. ZionistenkongreB und die erste Tagung usw. Zunächst glaube ich mich auf meinen Eindruck verlassen zu dürfen, daß ,,in dieser Versammlung von handfesten Commis der Politik“ die Wirkung relativ groß war. Ich habe so viel Aufmerksamkeit bemerkt und in vielen Unterhaltungen so viel Sympathie erfahren, daß ich überrascht war. Zudem will ich nur zur Entkräftung von Landaus Darstellung mitteilen, was die orthodoxe Presse verschwiegen hat und auch Landau nicht berichtet — sonst gebührt ihm das Verdienst, als erster und einziger in der orthodoxen Presse, soweit ich sie überschaue, mein Referat auch nur erwähnt zu haben, und dazu noch freundlich, daß nämlich zwölf Stunden später ein Angebot beim Misrachi vorlag, mich in die zionistische Exekutive als Leiter des gesamten Schulwesens in Palästina zu entsenden. Dieser Berufung stimmten m. W. alle Fraktionen zu — manche Nichtmisrachisten gehörten zu den wärmsten Befürwortern des Projekts. Später erfuhr der Vorschlag eine kleine Modifikation, die mir, der ablehnte, die Annahme erleichtern sollte. Infolge meiner endgültigen Ablehnung scheiterte das Projekt. Kann man da allen Ernstes von der unwürdigen Situation des Misrachi und der absoluten Wirkungslosigkeit meiner Rede in politischer Hinsicht sprechen?? V. Mir scheint, durch alles bisher Vorgetragene ist Landaus Bericht richtig beleuchtet. Es ist mir nicht leicht gewesen, gelegentlich mit einer gewissen Schroffheit den wahren Tat״ bestand herzusteilen. Aber: amicus Plato, magis amica veritas. Gerade weil Landaus Aufsatz im publizistischen Sinne gut ge״ schrieben ist und leicht den naiven Leser, der beim Kongreß und der Council״Sitzung nicht anwesend war, gefangen nimmt, war die Aufklärung nötig. Landau ist vielleicht gerade seiner Neigunq, einen schönen Aufsatz zu schreiben, zum Opfer gefallen. Weit über Gebühr huldigt er dem ästhetischen Phänomen der gut geschriebenen Abhandlung. Deshalb verweilt er allzu lange bei Analysen, die fesselnd, bis zu einem gewissen Umfang auch zutreffend sind und vernachlässigt Tatsachen und biegt Facta um. Kaum eine Zeile verrät die Größe des grandiosen Schau״