Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1929)
- Date
- 1929-09-01
- Page
- Seite 497 (sequence 75)
- Language
- German
- Belongs to
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Der XVI. ZionistenkongreB und die erste Tagung usw. 497 Niveaudifferenzen vor, die auch in der Kritik zum Ausdruck gelangen müssen. Ich will nur hier die merkwürdigen Auslassungen Landaus über die Sprache ein wenig beleuchten. Jeder von uns ist mit Brodetsky der Meinung, daß heute mehr Kenner der hebräischen Sprache auf dem Kongreß waren als 1897. Landaus Liebe für das Jiddische begreife ich ausgezeichnet. Aber diese Liebe darf nicht blind für die Bedürfnisse der Nation machen. Es gehört zu den Jrrtümern Birnbaums, daß die Tatsache mehrerer jüdischer Nationalsprachen (außer hebräisch und jiddisch, spaniolisch usw.) so etwas wie eine Koordination bzw. einen Gleichgewichtszustand zwischen ihnen herstelle. Wir müssen als aktive Politiker in einem Punkt unsere Kraft sammeln; Verzettelung wäre gefährlich. Nicht wir Zionisten haben die Juden fremden Sprachen ausgeliefert. Jeder weiß, daß der sprachlische Assimilationsprozeß von ganz anderen Faktoren bestimmt ist und nicht aufgehalten werden kann. Dem haben wir den Segen des Hebräischen entgegengestellt, nicht aber aktiv das Jiddisch geschädigt. Mut zur Entscheidung aber ist nötig. Daß wir in Palästina den Hebräisierungsprozeß mit Energie durchgeführt haben — das bedarf wohl keiner Rechtfertigung. Merkwürdig mutet die gegen Weizmann gerichtete Bemerkung an, daß dieser, ״der alle Sprachen glänzend, aber alle ein wenig im Pinsker Dialekt spricht, und der seine polyglotte Fertigkeit gern zur Schau stellt, gerade das Jiddisch ostentativ vermeidet.“ Außer der Anerkennung für Weizmanns sprachliehe Begabung ist hier so ziemlich alles falsch. Ich kenne Weizmann ein wenig und weiß, daß er jiddisch sehr liebt und gar gern in der Privatunterhaltung, besonders wenn er sich behaglich fühlt auch spricht. Daß der Präsident der Weltorganisation, ein Staatsmann von hohen Graden, in seinem öffentlichen Auftreten in einer europäischen Sprache redet, wird jeder Einsichtige begreifen. Hochoffizielle Reden, Erklärungen und Schlußworte, alles Aeußerungen, auf die die große Welt hört, lassen sich schwer in die Form des Jiddisehen gießen. Eine Redensart, und keine schöne, ist das Wort