Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1929)
- Date
- 1929-09-01
- Page
- Seite 493 (sequence 71)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Der XVI. ZionistenkongreB und die erste Tagung usw. 493 derinneren Kraft des Zionismus. Daß er hier zur Skepsis gelangt, daß er tausend Schwächen zu erkennen glaubt, dem Herzischen Zionismus vorwirft, an allen wirklichen Le״ bensfragen des Volkes vorbeizugehen, das kann ihm keiner ver״ argen. Jeder hat das Recht auf seinen Pessimismus, selbst wenn die Begründung unzureichend ist. Manche sehen für den Gegner immer trübe. Das mag nicht wohlwollend, mag lieblos, mag selbst unklug sein — es kann hingehen. Was aber kritisch aufs schärfste aufs Korn genommen werden muß und jeden sittlichen Tadel verdient, ist eine Begründung, die in ihrer Tendenz nicht einwandfrei ist, die nicht aus Mangel an Erkenntnis stammt, sondern durch gewaltsame Konstruk״ tion nur möglich wird. Ein nicht geringer Teil der hierher gehörenden Äusfüh״ rungen Landaus erfolgt nach der Formel: Zwar — aber. Man wird verstehen, was damit gemeint ist. Landau kann sich dem Zauber des überwältigenden Phaenomens Kongreß nicht entziehen, er kann auch Herzl nicht (partiell) Bewunderung versagen. Kaum aber hat er diese Sympathieerklärung abgegeben, da kommt schon der Pferdefuß zum Vorschein, und es setzt eine umso unfreundlichere Kritik ein. Ich liebe es nicht, dem Hang unserer Zeit nach Uebermaß an psychologischer Änalgse zu folgen. Und doch kann ich in diesem Falle nicht umhin, mich zu fragen, was der Sinn dieses ״Zwar — aber“ ist. Ein zu innerst vom Kongreß ergriffener Zuschauer kann nicht als Berichterstatter nachher so fein säuberlich Kontrastwirkungen geben. Das ist schon weitab von Unmittelbarkeit entfernt und mit Tendenz gestaltet. Landau legt vielleicht Wert darauf, nicht als fanatischer, haßerfüllter Widersacher des Zionismus zu gelten. Als Mann von Bildung und Welt gibt er sich dem verführerischen Reiz des Kongresses hin, wie ja auch sonst die Neoorthodoxie ihre Weltaufgeschlossenheit gelegentlich gegen״ über Erscheinungen bekundet, die dem naiven Gläubigen und un״ verdorbenen Orthodoxen als unmöglich erscheint. Es ist, als ob die Lobpreisung von Zionismus und Herzl bei Landau uns zuriefe: ״Seht, ich bin tolerant und unvoreingenommen genug,