Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1929)
- Date
- 1929-09-01
- Page
- Seite 477 (sequence 55)
- Language
- German
- Belongs to
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Einfühlung in das Empfindungsleben der Tiere 477 oder im Verhältnis zu Jsrael selbst, das neben der linden auch die starke Hand in der Leitung fühlen muß. Israel ist die störrische Kuh,47 das ungelehrige Kalb,45 undankbarer als der Ochse, der seinen Besitzer, als der Esel, der die Krippe seines Herrn kennt,49 die leichtfüßige Kamel-׳ stute, die verschlungene Wege geht,50 der Wildesel, der an die Wüste gewöhnt und dessen leidenschaftliche Brunst so recht das Bild für das Ungestüme des Abfalls Israels ist,51 den geilen Rossen gleich,52 unverständiger und unzuverlässiger als die Zugvögel, die ihre Zeiten einzuhalten wissen.53 Aber kein Vergleich kehrt so oft wieder, wie der vom Lamm und der Taube. Aus den Propheten und den Psalmen klingt ergreifend das Lied vom Hirten und seinen Lämmern. Es ist bezeichnend, daß der ״strenge und starre“ Jecheskeel hier die innigsten Töne findet (an vielen Stellen, in liebevollster Ausmalung, Kap. 34, und ohne Seitenstück: die Menschenschafe, die heiligen Schafe: 36, 38). Das Lamm Gottes ist das Symbol für den Stifter der christlichen Kirche geworden. In Ausbildung und Erweiterung des alttestamentlichen Bildes von Israel. Vorzüglich aus Jesajah 53, dem Vergleich des leidenden Knechtes Gottes: ״gestoßen und gedemütigt, er öffnete nicht den Mund, wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird 47 Hos. 4, 16. 45 Jer. 31, 17. 49 Jes. 1, 3 — daher die Strafe der Geißelung,1 Dt. 25, 2 ff. nach Makkoth mit einem Riemen vollzogen, der aus der Haut eines Esels geschnitten ist; es komme der, der die Krippe seines Herrn kennt und strafe den, der sie nicht kennt. 59 Jer. 2, 23. 51 Jer. 2, 24. — Wie oft, Wird das Bild des Midrasch anders als es im Zusammenhang zu fassen ist, gedeutet. Hier der Wildesel als das stolze an die Freiheit gewöhnte Tier genommen (vgl. Hiob 39, 5 ff.). Ich dachte, sagt Gott zu Israel, ihr würdet euch den freien Sinn bewahren, nun aber ist die Furcht der Tyrannenherrschaft über euch gekommen. 52 Jer. 5, 8.