Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1929)
- Date
- 1929-09-01
- Page
- Seite 469 (sequence 47)
- Language
- German
- Belongs to
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Einfühlung in das Empfindungsleben der Tiere 469 gestellt, wie er zur Zeit des Paradieses geherrscht hat. Bei der Schöpfung der Welt heißt es: ,,allen Tieren des Landes aber und allen Vögeln des Himmels und allem, was sich auf der Erde regt worin ein Lebensadern ist, gebe ich alles grüne Kraut zum Essen; und es ward also.“׳'־ Das war also die Natur, die nach der Schrift in sie für immer gelegt ward. Sie lernten erst das Rauben auf Grund des Sündenfalls, der überhaupt erst der! Tod in die Welt brachte. Als dann den Noachiden ^ach der Sintflut die Tiernshrung erlaubt ward, wurde verkündet: ,,aber das Blut eures Lebens will ich fordern, von jedem Tier will ich es fordern“2 * * * *־׳ d. h. aber nicht das Leben eines Tieres von einem anderen Tiere. So blieb es bei ihrer Art zu rauben. Wenn aber die Zeit der Vollendung anbrechen wird, dann wird diese ihre böse Art ein Ende finden, sie werden wieder ihre frühere Natur annehmen, die in sie zur Zeit ihrer Erschaffung gelegt wurde.7־ Diese Darstellung eines unserer größten Exegeten, die ja nur den Tatbestand wiedergibt, wie er in der Urgeschichte der Genesis niedergelegt ist, zeigt, daß die Prophetie des Jesajah nicht ein Phantasiegebilde ist, nicht eine bildliche Ausmalung jenes erhofften Zustandes am Ende der Tage, sondern auf alte Ueberlieferung zurückgeht.28 Dadurch unterscheidet sie sich auch von Parallelen, die man aus anderen Literaturen herangezogen hat.29 2* Gen. 1, 30. 20 Gen. 9, 5. 27 Nachmanides zu Lev. 26, 6. Vgl. auch Gen. R. 95, 1: ,,auch die wilden Tiere werden geheilt, wie es heißt: ״der Wolf und das Lamm werden zusammen weiden.“ 28 Das tritt auch deutlich in der parallelen Stelle Jes. 65, 17—25, die sonst wenig berücksichtigt wird, zu Tage. Äuch hier die Ausmalung des Endzustandes mit der emphatischen Einleitung: ,*Denn siehe, ich schaffe einen neuen Himmel und eine neue Erde, des Früheren wird nicht mehr gedacht, es kommt nicht mehr in den Sinn.“ Was aber folgt, hält sich durchaus im Rahmen des im Reiche des Realen möglichen. Jung und Ält werden ihre Tage ausleben, wenn einer hundert Jahre alt wird, heißt es, er ist jung gestorben. Sie bauen ihre Häuser und wohnen darin, pflanzen ihre Weinberge