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Jeschurun · 1929-09-01 · Heft 9-10 (September 1929) · p. Seite 468

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1929)
Issue
Heft 9-10 (September 1929)
Date
1929-09-01
Page
Seite 468 (sequence 46)
Language
German
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468 Einfühlung in das Empfindungsleben der Tiere Und der ewige Friede in den Weissagungen Jesajah Kap. II und Micha IV, die beide, wie die fast wörtliche Ueberein- Stimmung zeigt aut eine gemeinsame ältere Prophetie zurückgehen, und nur das an sich menschlich faßbare Ideal zeigen, daß kein Volk gegen das andere mehr das Schwert erheben wird, erweitert sich in der Prophetie Jesajah Kap. XI, weil dort, wo die ganze Erde wie die Wasser, die das Meer bedecken, erfüllt sein soll von der Kenntnis Gottes, auch die Tiere eingeschlossen sein müssen,2•׳ zu jener überirdischen Vision, wo jedes verfolgende Tier mit dem von ihm verfolgten friedlich nebeneinander weidet. Der Prophet scheut die an sich höchst eigentümliche Vorstellung nicht, daß der Löwe mit seinem Körperbau, seinen Tatzen, seinem Gebiß doch allein auf den Raub und die Fleischnahrung gestellt, sich von Stroh nähren wird — und es begegnen uns doch sonst in der Bibel wahrlich keine verzerrten Bilder — weil er der glühenden Ueberzeugung24 ist, daß auch die Tierwelt untereinander in jenen ewigen Frieden eingeschlossen sein und auch aus ihrer Alitte der Totschlag schwinden muß, soll sie in ihrer Gesamt־׳ heit sich des Lebens freuen dürfen. Die Raubtiere werden nicht zahm, damit der Mensch vor ihnen geschützt sei, sondern ,,der Wolf wird neben dem Lamme wohnen und der Parder neben dem Böcklein lagern.“ Es wird damit nur der Urzustand her- 22 Daß dies der Sinn des Schrifiverses sein muß, geht daraus hervor, daß das: ,,sie tun nichts übles und richten keinen Schaden an auf meinem heiligen Berge“ begründet wird mit demכי מל&ה ה&רץ דעה וגר׳" So auch Maibim z. St.. — Wenn es nicht zu kühn wäre und wenn ich Belege dafür erbringen könnte, würde ich דעה hier mit ,*Liebe“ wiedergeben. Für die des Menschen zum Menschen und Gottes zum Menschen ist der Stamm ידע bekannt, nicht aber für die des Menschen zu •Gott. 24 Es braucht nicht darauf verwiesen zu werden, daß nach dem talmudischen Ausspruch: Jesajah habe die Herrlichkeit der göttliehen Erscheinung wie ein Prinz, Jecheskeel wie ein Dorfbewohner geschildert, die Anschauung vertreten wird, die Propheten hätten in die Darstellung der ihnen zuteil gewordenen Visionen ihre subjektive Anschauung hineingetragen.

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