Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1929)
- Date
- 1929-09-01
- Page
- Seite 462 (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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462 Einfühlung in das Empfindungsleben der Tiere Aber die höchste Steigerung der Idee von dem ,,Verdienste der Tiere“ haben wir in der ebenfalls in diesem Zusammenhang gebrachten Erzählung von Alexander dem Großen.s . . . Ich bin nur zu Euch gekommen, weil ich wissen will, wie ihr riehtet. Einmal kam einer mit einer Klage gegen einen anderen. Er sagte: der Mann hat mir einen Dunghaufen verkauft und ich habe darin einen Schatz gefunden. Der Käufer erklärte, ich habe ja nur den Dunghaufen und nicht den Schatz gekauft; der Verkäufer: Ich habe den Dunghaufen mit allem, was darin ist, verkauft. Da sagte der Richter zu dem einen: hast du einen Sohn? er bejahte. Darauf zu dem anderen: hast du eine Tochter? er erwiderte: ja! darauf zu beiden gewandt: Verheiratet sie miteinander, und das Geld gehöre dann beiden gemeinsam. Alexander der Große wunderte sich, und auf die Frage des Richters, wie denn in seinem Lande die Entscheidung gefällt worden wäre, meinte er: man hätte beide hingerichtet und die Regierung hätte das Vermögen beider eingezogen. Da fragte er ihn: Fällt bei Euch Regen? er antwortete: ja! Scheint bei Euch die Sonne? ja! Gibt es bei Euch Kleinvieh? ja! Da sagte der Richter: . . . Nicht um Eures Verdienstes willen fällt der Regen, nicht um Eures Verdienstes willen scheint die Sonne, sondern nur um des Verdienstes des Kleinviehs willen, wie es heißt: Mensch und Tier hilfst Du Gott, dem Menschen um des Verdienstes der Tiere willen.“ So wird hier der im Judentum herrschende Gedanke des Verdienstes des frommen Zeitgenossen, um dessentwillen ein um seiner Sünden willen dem Tode geweihtes Geschlecht verschont wird, auf das Tier angewandt. Die göttliche Liebe gebietet dem strengen Rechte Einhalt, weil sie mit den Verbrechern nicht auch die unschuldigen Tiere treffen will. Ein Gipfelpunkt des Mitfühlens mit der Kreatur, ein Bekenntnis zu der Anschauung, daß das Tier höher steht als der entartete Mensch. 8 Gen. R. 33, eine um ihres tiefen Gehalts wegen sehr beliebte Erzählung, wie die fünf Parallelstellen (Gen. R. ed. Wilna gebracht) beweisen.