Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1929-09-01 · Heft 9-10 (September 1929) · p. Seite 460

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1929)
Issue
Heft 9-10 (September 1929)
Date
1929-09-01
Page
Seite 460 (sequence 38)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2292929-2293065-2293070--10684-2303982
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

460 Einfühlung in das Empfindungsleben der Tiere kümmert wie um den Menschen. Daß die Unterordnung des Tieres unter den Menschen nicht auf rücksichtslose Ausnutzung geht, daß sie nur auf dem naturgegebenen Unterschied beruht, der durch die dem Menschen verliehene Vernunft gegeben ist, haben wir schon an anderer Stelle hervorgehoben.1 Ebenso, daß mit der Idee und dem Ziel der Schöpfung das Leben des Tieres überhaupt nicht in die Hand des Menschen gegeben war, den ersten Menschen ist nur die Pflanzenkost gestattet; erst mit dem Herabsinken der irdischen Welt, ihrer Notwendigkeiten und Bedürfnisse, wie es nach der Sintflut eintrat, ist jene Ent״ fernung von dem Ideal eingetreten. Von den Propheten und den Sängern der Psalmen, den Verkündern einer höchsten Ethik, den von Gott Begeisterten und Beseligten, die den Gottesbegriff in seiner ganzen dynamischen Wucht in ihrem Inneren erlebten, die dabei von der Vorstellung der Primitiven wahrlich weit genug entfernt waren, wird darum gerade im Geiste der jüdischen Gottes״ und Welt״ auffassung, das Tier in ihr Mitempfinden eingeschlossen. In den Schilderungen der Strafgerichte und denen des irdischen Glückes, ja auch in denen des Weltgerichts und der messiani״ sehen Zeiten teilt das Tier das Schicksal des Menschen. Nur aus der Intensität des Mitleids und der Mitfreude mit den Tieren ist diese Betonung der Schicksalsgemeinschaft zu erklären. Eins freilich ist hier Voraussetzung: Die Amnahme, daß dort, wo das religiöse Empfinden uns auf einem nie erreichten Höhepunkt entgegentritt, wo wir es mit einer Erscheinung zu tun haben, die zugestandenermaßen völlig vereinzelt dasteht in der Geistesgeschichte der Menschheit, die Künder des Erhabenen nicht redensartlich sich geäußert, in Floskeln und Bilderschmuck sich erschöpft. Es sind schon oft die Schriftverse zitiert worden, in denen dies Mitfühlen sich ausspricht, sie sind aber nicht in ihrer ganzen Tragweite gewürdigt worden. Es ist nur natürlieh, daß bei der völligen Vernichtung, der alles, was auf der 1 Vom Tier und seiner Wertung. Jesch. XIV, S. 601.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.