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Jeschurun · 1929-09-01 · Heft 9-10 (September 1929) · p. Seite 458

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1929)
Issue
Heft 9-10 (September 1929)
Date
1929-09-01
Page
Seite 458 (sequence 36)
Language
German
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458 Einfühlung in das Empfindungsleben der Tiere ein fernerer Beweis, daß die Liebe und das aus ihr folgende Handeln nicht aus dem Verstände, sondern aus dem Herzen entspringt. Man wird finden, daß mit einer hochstehenden Ethik sich immer das rechte Empfinden für das Tier verbindet, das ebenso weit entfernt ist von der völligen Gleichgültigkeit gegen־׳ über seinem Leid und Schmerz, wie von der übertriebenen Für־׳ sorge, die Tierheime begründet und Menschen verhungern läßt. In dem so bekannt gewordenen Buche Remarques, ״Im Westen nichts Neues“, das seinen Erfolg nicht der künstlerischen Konzeption sondern dem Umstande dankt, daß gegenüber dem im Weltkriege nach außen und nach innen zertretenen Recht der Ruf nach den sittlichen Forderungen so markerschütternd ertönt, ist auch von dem Recht der Tiere die Rede. Furchtbarer noch als die Schmerzensrufe der auf den Tod verwundeten Menschen hätte das Schreien der Tiere in ihren Todesqualen auf die Mannschaften gewirkt. Wenn die Menschen sich gegenseitig zerfleischen zu müssen glaubten, wer gab ihnen das Recht, die Tiere in ihren Streit zu ziehen, ihnen diese unsägliehen Qualen aufzuerlegen? So könnten wir viele Zeugnisse anführen, wie immer mehr in neuerer Zeit mit dem Fortschreiten des tieferen Rechtsempfindens sich abseits von den beiden herrschenden Mächten, der spezifisch-christlichen Einstellung und der naturwissenschaftlichen die Auffassung von dem Recht der Tiere gewandelt hat. Im Judentum ist durch den Umstand, daß hier nicht nur die ethischen Forderungen sondern auch die ganze seelische Einstellung sich an der heiligen Schrift orientierte, eine entscheidende Wandlung im Verhältnis vom Tier zum Menschen vermieden worden. In unserer Bibel haben wir nun mit Ueberspringung der zweiten der obenerwähnten Etappen gewissermaßen gleich die höchste Stufe: das Bewußtsein von der Differenziertheit des Menschen vom Tier zugleich mit der Forderung der Ächtung

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