Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1929)
- Date
- 1929-09-01
- Page
- Seite 441 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2292929-2293065-2293070--10665-2303963- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Die 2. Kenessio Gedaulo zu Wien. 441 die ganz im Judentum wurzeln, daß sie als solche Trägerin der Schechina, Verkörperung der religiösen Herrlichkeit Gottes auf Erden ist. ,,Gehe hinaus und siehe auf das Volk draußen!“ ihre Meinung, ihr Wille, ihre Reaktion ist von entscheidender Bedeutung. Wer ihr diese Bedeutung abspricht, der glaubt eben nicht an die Macht der Verwirklichung der Thora in der Welt, daß ,,der Rest Israels kein Unrecht tut.“ Und so darf nicht über der Autorität der Thoralehrer die Autorität der jüdischen Gesamtheit verschwinden. Auch die zweite Kenessio bedeutet nur ein Stadium in der Entwicklung der Bewegung. Auch die A. J. wird noch wesentliehe Wandlungen durchzumachen haben, bis sie wirklich reif ist, die Ziele zu verwirklichen, die sie sich gestellt. Aber es muß rückhaltlos anerkannt werden, daß diese Versammlung, weit über ihre Bedeutung als Demonstration und als das große neue Treugelöbnis, auch praktisch einen großen Fortschritt bedeutet, und daß die Linien ihrer Weiterentwicklung sich immer klarer herausgestaltet haben. Weh tut nur der Gedanke, daß ein großer Teil der gesetzestreuen Judenheit, daß vor allem der Misrachi, in seiner ablehnenden Haltung gegenüber der A. J. verharrt, und daß infolgedessen noch immer ein Kampf der Brüder nicht überwunden ist. Der Urgedanke, aus dem die A. J. hervorgegangen ist, und der in Kattaw i t z Gestalt gewonnen hat, hatte es anders vorgesehen, hatte zum Endziel, die Streitaxt zu begraben, die zwischen den Kindern der Thora noch Unheil stiftend droht. Es ist noch nicht gelungen, diese Einung der gesamten thoratreuen Welt herbeizuführen. Manches Wort der Liebe aber ist schon von den Tribünen des Wiener Kongresses hinübergeschallt als Ausdruck einer großen Sehnsucht. Das kann mit Genugtuung ausgesprochen werden. Es sollte jetzt — mit diesem Gedanken möchte ich Abschied nehmen — das Ziel und das Streben aller Besonnenen, ganz besonders in Deutschland, sein, bevor die endgültige große Einigung erfolgt, die Atmosphäre zwischen Misrachi und A. J. zu entgiften, und immer weitere Kreise zu der Erkenntnis heranzubilden, daß wir zusammengehören, 2 v