Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1929)
- Date
- 1929-09-01
- Page
- Seite 440 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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440 Die 2. Kenessio Gedaulo zu Wien. binische Rat seine provisorische Entscheidung, den § 4 betreffend, wenigstens scheinbar wieder aufgab, um noch einmal die aufeinanderprailenden Meinungen der Versammlung zu hören. Bedauerlich war dabei nur, daß nicht alle zu Wort kommenden Redner jetzt die Frage lediglich nach inneren Gesichtspunkten, nach ihrer eigenen Problematik, behandelten, sondern schon jetzt die Frage als entschieden vorwegnahmen und in Rücksicht auf Gruppen, mit Seitenblicken auf bestimmte Interessen die freie Diskussion einzwängen oder abschneiden wollten. Man muß sich aber sehr wohl vor Äugen halten, welche Gefahren es in sich birgt, den rabbinischen Rat mit anderen Entscheidungen zu belasten als rein halachisch-religiösen. Der leiseste Verdacht, daß ihn in einer seiner Kundgebungen andere Rücksichten, etwa politische, geleitet, erschüttert die ganze Grundlage seiner Autorität. Daß die Rabbinen die besten Politiker sind, das ist zu glauben niemand verpflichtet. Es ist zwar anzunehmen, daß große Weisheit der Thora auch zur besten Meinungsbildung in praktischen Fragen des Lebens führt. Ältes jüdisches Sprichwort ist es: Wo Thora ist, ist Weisheit. Aber wenn dem alten Sanhedrin die letzten Entscheidungen auch über Krieg und Frieden zufielen, so war eben das Sanhedrin, wie an anderer Stelle nachgewiesen, nicht nur ein rabbinisches, sondern ein prophetisches Gremium. Der Mauezes Chachme Hatauro muß sich immer bewußt halten, daß seine höchste Aufgabe ist, die Ehrfurcht und die Ächtung und die Anerkennung des Din in Israel wieder herzustellen, nichts weiter. Wo er eine politische Meinung äußert, muß sie in der ganzen Reserve, in derjenigen Zurückhaltung gegeben werden, die der menschlichen Konipetenz gegenüber derjenigen der Thora zukommt. In diesen Fragenkomplexen vom Verhältnis der Kenessio zum rabbinischen Rat spielt ebenfalls der obige Gedankengang von der Bedeutung der jüdischen Gemeinde, der jüdischen Gesamtheit als solcher, der nationale Gesichtspunkt mit hinein. Immer wieder muß betont werden, daß die jüdische Masse, wenn der Ausdruck berechtigt ist, d. h. die Masse aller derer,