Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1929)
- Date
- 1929-09-01
- Page
- Seite 437 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Die 2. Kenessio Gedaulo zu Wien. 437 Äuch hier wieder erleben wir einen ähnlichen Gang der Dinge, wie in Bezug auf die Grundeinstellung der Ä. J. Die Schaffung des rabbinischen Rates ist die größte Tat der Ä. J., sie kann nicht genug bewundert werden. Das bedeutet für Ä. J. die absolute Ueberlegenheit über alle anderen Bewegungen im Judentum. Es bedeutet, daß die anerkannt größten Kenner des Judentums, die sachverständigsten Meister ihrer Lehre, und man kann wohl auch sagen, die sittlich und religiös hervorragendsten Gestalten unseres Volkes, Zeugen und Bürgen für Ä. J. sind. Diese Schaffung des rabbinischen Rates ist umso bedeutsamer, als mehr wie bei allen anderen Volksgemeinschaften, mehr wie in allen anderen Religionen, bei uns der Begriff der Autorität erschüttert ist . In allen großen Organisationen, wie in fast allen Gemeinden, triumphiert die Unwissenheit, die Unkenntnis des Judentums, führen das Wort die Juden von gestern, wie Ächad Haam sie genannt hat, nicht die großen Ueberwinder des Lebens, die aus der Ewigkeit die Maßstäbe nehmen, sondern die Helden der Versammlung, die Götzen des Tages, die infolge irgendeiner wirtschaftlichen, sozialen oder kulturellen Leistung das Steuer der Leitung erhalten haben. Nirgends findet die Selbstherriichkeit, alle jüdischen Fragen zu entscheiden, dem Judentum seine sittliche und politische Lebenslinie vorzuschreiben, durch eine Schranke sich umgrenzt. Keine Selbstkritik hemmt den Einzelnen, keine innere Prüfung, ob er mit seinem Willen und seinen Zielen auch wirklieh aus dem Gesamtgeist des Judentums heraus bestimmt ist, ob nicht fremde Einflüsse die jüdische Reaktion seiner Seele modifiziert oder verfälscht haben. Mit gleichem Pathos und gewiß auch in letzter Linie aus gleicher reiner Gesinnung heraus will jeder unwissende bornierte Traditionelle, will der Centralvereinsler wie der Zionist, der nationaldeutsche Jude wie der religiöse Reformer, ja selbst der atheistische, nihilistische Radikale seinen Willen als für die Gesamtheit maßgebend dem andern auf zwingen. Ueberall glaubt der, der sich sonst im Leben bewährt hat, nun auch berechtigt zu sein, am Judentum