Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1929)
- Date
- 1929-09-01
- Page
- Seite 435 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Die 2. Kenessio Gedaulo zu Wien. 435 so oft in unserer Geschichte, wo Splitterbewegungen ein Stück des Judentums herausgreifen und es als das Einzige und Wesentliche, als Quintessenz und Summe des Judentums hingestellt haben, man in den Kreisen der Treugebliebenen nun ganz von diesen Elementen schwieg, als wären sie unbedeutend und nebensächlich, so erging es der Ä. J. In dem Moment, wo Sprache und Land und Blutsgemeinschaft das Ein und Alles des Judentums sein sollten, in demselben Äugenblick verlor es im Gedankenkreis der Religiösen jede zentrale Bedeutung und wurde als irrelevant und zufällig beiseite geschoben. Wie konnte, um den gleichen Prozeß an einem Beispiel zu illustrieren, Mendelssohn die Dogmenlosigkeit des Judentums behaupten? Weil er den Gegensatz zum Christentum fühlte, das in dem Dogmenglauben das Alleinseligmachende findet.1) Aber nichts ist verkehrter, als sich von dem Gegner die Lebenslinie vorschreiben zu lassen, durch ihn sich zur Einseitigkeit, zur Preisgabe wesentlicher Güter des eigenen Besitzstandes abdrängen zu lassen. Es geht nicht an, daß, weil der Zionismus Land, Sprache und Blutgemeinschaft als das Letzte und Entscheidende des Judentums angesprochen hat, darum Ä. J. ihre konstitutive Bedeutung ignoriert und ihre regulativen Prinzipien der Thora-Anerkennung und Mizwausbereitschaft als alleinige Kennzeichen ihrer Bewegung ausgibt. Dieses Schweigen über das Nationale im Judentum, das Ausweichen gegenüber einer Auseinandersetzung über unser positives Verhältnis zu ihm, der letzte Sinn des Kampfes um den §4 und um die Jewish Agency, ist ein Unding. Hier harren noch der Ä. J. innerst notwendige Entwicklungen. Wie der Zionismus der Verschweigung seiner Abkunft aus dem reli- T) So schweigt man im Judentum von fast allen Elementen, die sich das Christentum ruhmredig zu eigen gemacht hat. In einer Hamburger Synagoge verließ ein Frommer ostentativ erregt während der Predigt den Gottesdienst, als der Rabbiner sagte: ״Ich weiß, daß mein Erlöser lebt“. Er glaubte ein Zitat des N. T. zu hören. In der Tat vermeiden wir meist solche Änklänge.