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Jeschurun · 1929-09-01 · Heft 9-10 (September 1929) · p. Seite 434

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1929)
Issue
Heft 9-10 (September 1929)
Date
1929-09-01
Page
Seite 434 (sequence 12)
Language
German
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434 Die 2. Kenessio Gedaulo zu Wien. messianischem Ideale dienenden Institut konträr entgegensteht, der aus der materialistischen Geschichtsauffassung der Gegenwart entwachsen, im jüdischen Volke nur eine Einheit sieht ohne ein den Einzelnen wie die Gesamtheit für alle Zeiten bindendes, gestaltendes, höheres Prinzip, so droht der Ä. J., die darauf reagieren will, so droht überhaupt dem religiösen Judentum der Gegenwart der entgegengesetzte Irrtum, die volksmäßige Wirklichkeitsgrundlage des Judentums zu verkennen, über der Erlösung die Schöpfung zu vergessen und eine Ideologie herauszustellen, die die Grundlage des Seins vergißt und die Gemeinsamkeit gedanklicher lieberzeugung, seelischer Haltung und gleichartiger Lebensführung in den Vordergrund rückt. In der letzten Nummer des Jeschurun hat M. Landau in seinem Aufsatz über den Kongreß in Zürich dem Zionismus die Auflösung vorausgesagt. Die HerzLsche Formel sei zu eng, sie müsse gesprengt werden, ״alles Wertvolle müsse An- Schluß suchen an die echte nationale Bewegung, die aus der Erkenntnis der religiösen Bedingtheit des jüdischen Volkes, seiner Lebensform und seines historischen Weges den formalen Nationalismus ersetzt durch wesenhaftes Volkstum.“ Die A. J. ist im entgegengesetzten Stadium. Sie sieht nicht einer Auflösung entgegen. Dafür fehlen alle Anzeichen, im Gegenteil: Sie geht aus dieser Kenessio im Zusammenhalt ihrer Nuancierungen noch gekräftigter hervor. Aber sie kann nicht in dieser ״entwesten“ Wesenhaftigkeit verharren. Mit anderen Worten: Sie kann das nationale Element nicht verkennen. Bei den litauischen und polnischen Juden ist dieses ein Selbstverständliches. Wenn auch unausgesprochen, beherrscht es stillschweigend ihr Denken . Nur die deutsche und ungarische Orthodoxie, weil sie Produkte des Kampfes sind, haben im gewissen Sinn das nationale Element unterdrückt. Aber das ist nur eine Verdrängung. Von diesem nationalen Element zu reden, ist heute immer noch Verhängnisvoll, weil es zu leicht als eine Konzession an das wesenlose Volkstum, an das areligiöse Menschsein zu sein scheint. Wie

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