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Jeschurun · 1929-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1929) · p. Seite 418

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1929)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1929)
Date
1929-07-01
Page
Seite 418 (sequence 100)
Language
German
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418 Der Züricher Kongreß. büßt hat: er will Rationales durch irrationale und Irrationales durch rationale Methoden lösen. Es ist die Tragödie des Zionismus, daß er über diese paradoxe Formel noch immer nicht hinausgekommen ist. Der Herzische Zionismus schob die blutvolle Wirklichkeit des Judentums beiseite und setzte zwei neue Dogmen fest: Land und Sprache. Land: man hat das erschütternde Referat Ruppins gehört. Erschütternd ist nicht der Widersinn, daß neunundneunzig Prozent des jüdischen Volkes arbeiten müssen, um ein Prozent (und bestenfalls kann es in einem Menschenalter auf fünf kommen) zu erhalten; es ist kein Widersinn, wenn die Erhaltung des einen die Existenz jener neunundneunzig erst garantiert. Aber ein Widersinn ist es, daß ein großer Teil dieser neunundneunzig zugrunde geht, weil man es, diesem einen zuliebe, versäumt hat, rechtzeitig Maßnahmen zu treffen, um den Juden auch im Galuth eine angemessene volksmäßige Lebensmöglichkeit zu sichern; daß rnan auch heute noch, da es fast zu spät ist und alle Länder Festungen gleichen, die wenigen noch vorhandenen Möglichkeiten nicht ausnutzt; und daß man die ausgenutzten sabotiert, nicht aus sachlichen Gründen, etwa aus Mißtrauen gegen das Sowjetregime, sondern grundsätzlich, um des Dogmas willen. Und Sprache: Brodetskg hat behauptet, daß auf dem ersten Kongreß weniger Menschen hebräisch verstanden als auf diesem: ich möchte das stark bezweifeln. Man wollte dem Volk eine Sprache geben und hat nur erreicht, daß ihm seine selbst geschaffene, urwüchsige, von jüdischem Geist durchtränkte Sprache verleidet und es rettungslos den fremden Sprachen ausgeliefert wurde. Wissen wir denn nicht, daß die nationale Jugend im Osten, die das Jiddisch verabscheut, wohl gelegentlieh hebräische Reden hält, aber in den fremden Idiomen denkt, fühlt und spricht? Und was soll man dazu sagen, wenn der Paladin des Hebraismus, der auf dem Podium gewaltige Reden führt, schon in den Couloirs anfängt russisch zu sprechen? Es ist bezeichnend, daß der gute alte Motzkin es vorzieht, die

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