Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1929)
- Date
- 1929-07-01
- Page
- Seite 411 (sequence 93)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Züricher Kongreß. 411 treuesten bewahrt hat, — wird von ihnen, von einem andern } Element des Ämerikanertums her, mit einem gewissen religio- [ sen Nachdruck betont und in jene nüchterne Innigkeit getaucht, | wie sie den Amerikanern, die gern banale Dinge mit religiösem [ Fanatismus umkleiden, eigentümlich ist. Der psychologische! j Gegensatz zwischen den amerikanischen und europäischen Nicht- S zionisten, der sich gleich am ersten Tage fühlbar machte, wird \ somit leicht erklärlich: während für die europäischen assimilierj ten Notabein die jüdische Gesellschaftsarbeit meist als beiläufige j Sache gilt, sehen die Amerikaner in ihr ein Lebensziel, für das \ sie ihre ganze Persönlichkeit einzusetzen bereit sind. Aber l man muß sich die geistigen Grenzen dieses amerikanischen Ideen- und Gefühlskomplexes vergegenwärtigen und die Quei- \ len, aus denen er gespeist wird, um zu begreifen, daß in der \ neuen Institution zwei Ideenkreise Zusammentreffen, der aus j der europäischen Kulturentwicklung, aus Romantik und Natio-! nalismus hervorgegangene nationale Gedanke und der kosmoi politisch-humanitäre, die — schon des Tiefenunterschieds halber — durch eine fast unüberbrückbare Kluft getrennt sind. 1 Daß so der Begriff ,,Jüdisches Nationalheim“ für die eine? und die andere Richtung eine ganz verschiedene Bedeutung annehmen, daß in Fällen, wo politische und wirtschaftliche Notwendigkeiten aufeinanderstoßen, von jedem Lager eine grundsätzlich andere Entscheidung getroffen werden, und daß י sich diese Verschiedenheit der Einstellung auf vielen wichtigen Gebieten, in der Araberfrage, in den Beziehungen zur Mandatarmacht, in der Bodenpolitik unmittelbar praktisch auswirken muß, ist nach dem Gesagten klar. Noch viel deutlicher kommt der psychologische Gegensatz in den sozialen Anschauungen zum Vorschein. Die Amerikaner wünschen zwar eine humane Lösung der sozialen Frage, sie wollen dem Arbeiter einen möglichst hohen Lebensstandard sichern und bezeichnen es als ihr Ideal, daß jedermann sein Huhn im Topfe habe; aber für den ganzen ideologischen und emotionalen Hintergrund des sozialen Problems in Palästina, für die Umgestaltung der sozialen Lebensform, für die radi-