Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1929)
- Date
- 1929-07-01
- Page
- Seite 410 (sequence 92)
- Language
- German
- Belongs to
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410 Der Züricher Kongreß. Persönlichkeit d’Avigdor-Goldsmiths in glücklicher Weise er״ gänzt, zugleich aber durch Hinzufügung einiger dekorativer Figuren aus den Flügelparteien zu einer übergroßen, schwer״ fälligen Institution ausgestaltet, die in dieser Form kaum ein reibungsloses Arbeiten verspricht. Es kennzeichnet den Mangel am Menschen auch im Zionismus, daß man nur die Wahl hatte zwischen schwunglosen Bürokraten und Wirrköpfen, die nicht rationell zu arbeiten verstehen, und daß es nur ein kleineres Uebel war, wenn die Entscheidung schließlich — verständiger״ weise — zugunsten der ersteren fiel. Die Exekutive, die übrigens (ausgenommen Miß Szold) eine bemerkenswerte par״ lamentarische Ungeschicklichkeit an den Tag legte, hat immer״ hin sauber und sachlich gearbeitet, und das tut in den labilen Verhältnissen Palästinas vor allem not. Das Entscheidende ist doch, daß der Grundton der künf״ tigen Ärbeitsperiode von den neuen Partnern bestimmt werden wird, im wesentlichen also von den amerikanischen Nichtzio״ nisten. Man muß sich klar machen, was die treibenden Motive der Amerikaner zum Anschluß an die Agency gewesen waren, um einen richtigen Ueberblick über die Lage zu gewinnen. Zu den Gründen, welche die Amerikaner zur Mitarbeit am Palästinawerk bewegen haben, gehört neben dem urjüdischen Gefühl, das sie zu den Brüdern trieb, neben dem verantwortungs״ vollen Bewußtsein, daß eine entwicklungsfähige jüdische Position nicht im Stich gelassen werden darf, neben der spart״ liehen Freude am kolonisatorischen Experiment, in besonders starkem Maße noch ein Gefühl, das nicht primär jüdischen Ursprungs ist: nämlich der amerikanische Humanitätsgedanke, der neben dem imperialistischen, eine der stärksten Trieb״ kräfte des modernen Amerikanertums ist, und ohne den man auch die ganze neuere Außenpolitik der Vereinigten Staa״ ten gar nicht verstehen kann. Dieser etwas flache, etwas naive, praktische Missionsgedanke, der möglichst vielen Menschen ein gewisses Maß leiblichen und seelischen Wohl״ ergehens sichern will — ein schätzenswertes Ueberbleibsel der Aufklärungsepoche, die ja die angelsächsische Welt am