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Jeschurun · 1929-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1929) · p. Seite 412

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1929)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1929)
Date
1929-07-01
Page
Seite 412 (sequence 94)
Language
German
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412 Der Züricher Kongreß. kale Umwertung der bisher gültigen sozialen Wertbegriffe, für die Formung eines neuen Menschentyps, von dem schon verheißungsvolle Anfänge im Lande sichtbar sind, haben sie absolut kein Verständnis. Sie haben offenherzig betont, daß für ihre Arbeit nur rein kapitalistische Grundsätze zu gelten haben, und sicherlich wird diese Maxime für den Augenblick eine Gesundung der verfahrenen wirtschaftlichen Verhältnisse in Palästina herbeiführen; aber wir wissen, daß die kapitalistisehen Gebilde ihre eigene Logik haben, und daß sie oft ganz wo anders hinführen, als ihre Urheber eigentlich gewollt haben. Kein Staat kann es sich heute leisten, den Primat der Wirtschaft in seinem politischen Gesamtsystem grundsätzlich und unbedingt durchzuführen, noch weniger ein Gebilde, das so wenig auf der Linie der kapitalistischen Entwicklungstendenzen liegt, wie das Aufbauwerk in Palästina. Die Arbeiter wissen das, aber sie schweigen, weil sie einsichtig und verantwortungsvoll genug sind, zunächst das Bestehende retten zu wollen; Konflikte müssen aber früher oder später mit fast schicksalhafter Notwendigkeit eintreten, wenn nicht der ganze Sinn der Chaluziuth in Frage gestellt werden soll. Was hier für die nationale und soziale Frage festgestellt worden ist, gilt in tausendfach verstärktem Maße für das religiöse Problem. Marshall hat zwar der Rede des Kalischer Raws begeistert zugestimmt und durch stärksten Druck auf das widerstrebende zionistische Lager die Aufnahme der Misrachiresolution in die Agency-Verfassung erzwungen; es kann aber für niemanden ein Zweifel sein, daß die Vorstellung des Rabbi Lipszyc von jüdischer Religion von der der Amerikaner so himmelweit verschieden ist, wie die Schläfenlocken des alten Raws von der weißen Nelke in Warburgs Knopfloch. Glaubt wirklich irgend jemand, diese amerikanische Religiosität, die Religion als integrierenden Bestandteil des bürgerliehen Wohlergehens und der Wohlanständigkeit betrachtet, infiziert von der neopuritanischen Anschauung, der Gott der strenge aber gerechte Prinzipal eines gutgehenden Unternehmens ist, übergossen mit jener kaum ausstehbaren klebrigen

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