Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1929)
- Date
- 1929-07-01
- Page
- Seite 382 (sequence 64)
- Language
- German
- Belongs to
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382 Humanistische Gesetzesverteidigung Nordeuropa bis zur Gegenwart besaß, — dem alles Hyperkritische und Aufklärerische fremd blieb und der mit Lehre und Leber: im Judentum fußte. Doch hören wir den Briefschreiber selbst. Herrn. Es ist Ihnen fremdartig vorgekommen, daß die Heb־ räer den Kopf bedeckt halten, wenn sie in ihrer Synagoge sind und daß sie ein weißes Gewand haben, das ihnen vom Kopf bis zur Aiitte des Körpers herunterhängt. Ihr ganzes überraschtes Staunen würde jedoch ein Ende nehmen, wenn Sie bedächten, daß man für die Zeremonieen und Gebräuche einer Nation nie einen Grund oder eine Ursache finden kann, welcher fähig wäre, das Gemüt desjenigen zu beruhigen, der in einer anderen Nation geboren und erzogen wurde. Nach Verlauf sovieier Jahrhunderte seit Festsetzung dieser Zoremo־ nieen [erschwert siel! dies dadurch, daß,] obwohl die Ge־ bräuche sich erhalten haben, die Erinnerung an die Gründe, welche einmal ausreichenden Anlaß zur Einführung gegeben, verloren gegangen ist. — Das Verlorengehen eines solchen Motivs darf kein genügender Grund zum Verwerfen oder Ver־ lachen des Gebrauchs sein, zum 11 es zur Ueberwindung unseres Befremdens genügt, [zu bedenken,] daß diese Gebräuche weder dem Himmel noch der Erde, will sagen weder Gott noch den Menschen zur Beleidigung gereichen. Daß dieser Gebrauch der Hebräer sehr alt ist, scheint ja auch daraus hervorzugehen, daß schon Paulus offensichtlich diese Sitte tadeln wollte, als er die Korinther ermahnte, den Kopf beim Beten zu Gott unverhüllt zu halten; — [dies freilich nur] nach Meinung derer, die seine Worte so erklären wollen. I. Kor. XI. 4!) Daß nicht nur die Hebräer diesen Brauch besessen haben, kann durch Hinweis aut' einen bei den Römern in den älte־ U Der Vers aus dem Korintherbrief ist am Ende des Ms. merkwürdigerweise französisch zitiert.