Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1929)
- Date
- 1929-07-01
- Page
- Seite 373 (sequence 55)
- Language
- German
- Belongs to
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Höhle Heimkehle 373 ,,Merkwürdig“, sagte ich, ,,wie doch die uns angewöhnte ״philosophische Redlichkeit“ eigentlich das selbstverständliche, natürliche Denken in eine krumme Bahn lenkt! Blinde Kraft? Zufälle? Nein! Hier die Höhle zeigt Dir, daß das, was blinde Kraft genannt wird, gar nicht so blind ist, wie wir infolge der mechanischen Naturauffassung es ansehen. Wenn der Prophet Ezechiel die Engel und Himmelskräfte als Ophanim, kraß als Himmelsmaschinen, anspricht, wo sich die Räder in den Rädern bewegen; so sagt er, daß die Felgen dieser Räder voll mit Augen sind, daß auch sie sehend, wissend, zielvoll und bewußt wirken. Für den religiösen Menschen gibt es eben keine Wunder des Zufalls, alles sind nur Wirkungen der augenbegabten Himmelsmaschinen. Denn sobald die Naturkräfte nicht selbständig, sondern als von einem höheren Wesen geleitet zu denken sind, dann ist es eben ein Ausdruck der All- Weisheit, daß selbst die mechanisch wirkenden Kräfte der Natur letztlich Bildungen hervorrufen, die wiederum Zeugnis der alles gestaltenden und vervollkommnenden Kraft Gottesä sind. Solche Begriffe wie das Wirken des Zufalls, die lernt man grade angesichts der Größe der Natur, ihrer Erhabenheit und ihrer mächtigen Formungen ganz verwerfen. Im Gegenteil! Alles stimmt ins Welthallelujah ein: ,,Feuer und Hagel, Schnee und Dampf, der Sturmwind, der sein Wort vollführt.“ Das ist die ganze Größe der Naturauffassung des Psalmisten, daß trotz seiner Ueberzeugnug von der Unverbrüchlichkeit aller Naturgesetze, — ״Er hat alles hingestellt für immer und für die Ewigkeit, ein Gesetz gegeben, das unverbrüchlich ist“ — innerhalb dieser ehernen Gesetzlichkeit der Natur alles Geschaffene Gott loben und zu seiner Verherrlichung beitragen läßt.“ Da ertönte das schmetternde Horn des Postillons und mahnte zum Aufbruch. ״Meine Herren,“ rief uns lachend ein Teilnehmer unserer Gesellschaftsfahrt zu, ״philosophieren Sie nicht so lange, Es geht jetzt zum Kgffhäuserdenkmal, das Sie schon