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Jeschurun · 1929-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1929) · p. Seite 371

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1929)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1929)
Date
1929-07-01
Page
Seite 371 (sequence 53)
Language
German
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Höhle Heimkehle 371 bedeckt, aber selbst nach Scheidung vor■ Wasser und Land am dritten Tage lag eine dichte Hülle von Nebel und Wasserdampf noch um den Erdkörper als Nachwirkung der ehemaligen vollen Lleberflutung (Gen.II, 6). Diese dichte Nebelhülle ließ die Gestirne zwar in diffusem Licht die Erde erleuchten, aber wie es uns noch heute an wolkigen oder nebeligen Tagen ergeht, sichtbar war der Ball von Sonne und Mond nicht. Und nun zerreißt, als die Nebelmassen, die von der Erde aufgestiegen waren, sich nieaerschlagen, der Schleier des Dampfes, und Sonne, Mond und Sterne werden als Herrscher von Tag und Nacht sichtbar. Das ist der Sinn, daß am inerten Tage es heißt: ,,Nun seien die Leuchten am Firmament des Himmels“. Eine Parallelerscheinung haben wir nach der Sintflut, als der Regenbogen zum Zeichen der göttlichen Versöhnung eingesetzt wird. Auch hier liegt die Vorstellung zugrunde, daß während der Zeit der Regengüsse die Erde in Finsternis gehüllt war, daß jetzt, wo Noah aus der Arche tritt und die Regen ein Ende hatten, die wieder hervorireiende Sonne die letzten Regentropfen im Bogen des Friedens erglänzen läßt. Für die Augen Noahs war der lichte farbige Strahl der beglückende Ausdruck der beendeten Sintflut, und so konnte er zum Zeichen des Bundes für alle Zeiten geweiht werden. Der biblische Schöpfungsbericht braucht also der durch mancherlei naturwissenschaftliche Entdeckungen wahrscheinlich gemachten Kant’schen Welttheorie nicht zu widersprechen. Es ist nur zu bewundern die Rhythmik seines ganzen Aufbaues, wie die Schöpfung in sechs Stufen, diese aber wieder in zwei Parallelreihen zerfallen: Licht am ersten Tage, Leuchten am vierten, Wasser Scheidung und Lufthülle am zweiten Tage, das Festland und sein Pflanzenschmuck am dritten Tage, Wasser- und Luftbelebung am fünften Tage, seine Tier- und Menschenwelt am sechsten Tage. In dieser Rhythmik liegt zugleich die stets fortschreitende Ausgestaltung und Vollendung aller Teile des Kosmos. So wird die Schöpfung Gottes dem Mensetoen ein Vorbild für seine Tätigkeit auf Erden; denn auch der Mensch soll das

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