Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1929)
- Date
- 1929-07-01
- Page
- Seite 369 (sequence 51)
- Language
- German
- Belongs to
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Höhle Heimkehle 369 Nicht mit Unrecht sagt ein Naturforscher der Gegenwart, die Schöpfungsgeschichte sei ein Trümmerfeld des religiösen Glaubens geworden. Es ist doch unrichtig, religiöse Grundsätze gewissermaßen vorzutäuschen, aus denen alsdann unberechtigter Weise Konflikte zwischen Glauben und Wissen sich ergeben. ״Dein Einwand ist berechtigt“, bemerkte ich, ״und ich glaube auch, daß selbst den Weisen des Midrasch das Problem der schöpfungsgeschichtlichen Zeiteinteilung ein schweres Rätsel war, das daher in seinen Lösungen umstritten ist. Es gibt im Jalkut zwei Äussprüche über das, was am ersten Tag geschaffen worden ist. Ein Äusspruch rechnet zehn Dinge auf, der andere acht, und diejenigen zwei, in denen sie sich unterscheiden, das ist ״das Maß von Tag und Nacht“, מדת יום ומדת לילה" Nach der ersten Meinung wurde dieses bei der beginnenden Schöpfung sofort fixiert, nach der Ansicht des zweiten erst einer späteren Zeit Vorbehalten. Dieser Letztere beruft sich darauf, daß es am ersten Tag nur heiße: ״Gott unterschied zwischen Licht und Finsternis“, und erst der Sonne des vierten Tages die Aufgabe wird, ״zu unterscheiden zwischen Tag und Nacht“. Jedenfalls ergibt sich daraus, daß vor aller geologischen Forschung, rein aus Betrachtung des Bibelwortes seiber, also gewiß nicht aus apologetischen Gründen heraus, die Frage sich ergab, was der Sinn des Begriffes ״Tag“ sein mochte, bevor durch die gesamte Weltordnung die Eindeutigkeit seiner Messung gesichert war.“1 ״Wir sind ja eigentlich ganz von den geologischen Unterhaltungen“, meinte mein Begleiter lächelnd, ״auf exegetische gekommen, was ich absolut nicht bedaure: Wenn wir nun schon bei diesem Thema der Genesis halten, dann wäre es mir doch lieb, daß wir einen Augenblick bei dem Verhältnis der 1 Äuch mit anderen Begriffen der Schöpfungsgeschichte geht es ähnlich. Äuch ״Himmel“, ״Erde“ und ״Wasser“ erhalten erst im Laufe der fortschreitenden Entwicklung ihren endgültigen Sinn. 4