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Jeschurun · 1929-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1929) · p. Seite 368

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1929)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1929)
Date
1929-07-01
Page
Seite 368 (sequence 50)
Language
German
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368 Höhle Heimkehle woraus doch ganz deutlich hervorgeht, daß erst von diesem Zeitpunkt an die gleichmäßige konstante Zeiteinteilung in Tag und Nacht, wie wir sie gegenwärtig kennen, fortdauern soll. Wir können uns auch noch gar keine Vorstellung machen, wie z. B. am ersten Schöpfungstage, wo Sonnen׳- und Mondumdrenung, die großen Weltenuhren, fehlten, was da das Maß ,,ein Tag“ für einen Sinn haben kann, und was sollten Äbend und Morgen bedeuten, bevor nicht unsere astronomische Welt- Ordnung in Kraft war? Man kann also mit vollem Recht sagen, daß die Bibel ganz deutlich zu verstehen gibt, daß sie hier das Wort ״Tag“ im allgemeinen Sinn, nämlich im Sinn nur eines Zeitabschnittes verstanden wissen will. Noch viel deutlicher spricht das der Mund unserer Weisen aus, wenn es in Rabba heißt: Warum heißt es der sechste Tag und nicht ein sechster Tag? Darauf sagte Rabbi Simon bar Maretha: Bis hierher zählt man nach Weltenzählung, von hier an und weiter nach einer anderen Zählung. Das bedeutet doch zweifelsohne, daß die Tageszählung der Schöpfungsperiode, bevor ein Menschenhirn über Zeitmaße nachgedacht hat, nicht die normale war, d. h., daß während der Weltenschöpfung selbst eine andere Zeitenberechnung galt. Das ist ferner nichts anderes, als was die Weisen auch zu dem Vers des 90. Psalms: ,,Tausend Jahre sind in Deinen Äugen wie der gestrige Tag, wenn er vorüber ist“, tiefsinnig bemerken: Älso ist Gottes Tag ein Jahrtausend. Und auch dieses Zeitmaß des ,,Jahrtausends“ ist nicht im Menschensinn zu nehmen, wie sie gleich hinzufügen: Die Thora ist um 2000 Jahre älter als die Weit, wie es ja heißt: ״Ich, die Weisheit, war im Urbeginr! Gottes Lust Tag um Tag.“ Mit leuchtenden Äugen hatte mein junger Freund zugehört. ,,Ist denn“, fragte er, ״diese geradezu überwältigende Äuffassung die allgemein angenommene? Warum wird sie nicht auch allgemein gelehrt, da sie doch im gewissen Sinn von grundlegender Bedeutung ist? Sollte es nicht Äufgabe des Religionsunterrichts sein, wenigstens den reiferen Schülern Kenntnis von dieser Auffassung der Zeitenzählung zu geben.

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