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Jeschurun · 1929-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1929) · p. Seite 364

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1929)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1929)
Date
1929-07-01
Page
Seite 364 (sequence 46)
Language
German
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364 Höhle Heimkehle glaubt man sogar charakteristische Deckenzeichnungen erkennen zu können. Die rege Phantasie der Besucher hat auch sofort einzelne Gestaltungen belebt: hier eine ,,Kapelle“, mit künstliebem roten Licht erhellt, wie kein Architekt sie stimmungsvoller bauen könnte, und dort eine große ,,Bergschmiede“, in die das Tageslicht wie in eine Esse einzudringen scheint, darin zwei Felsblöcke, den Blasebalg und Amboß vortäuschend. Von dem organischen Leben, das ehemals in der Höhle herrschte, legt der ,,Höblenfriedhof“ Zeugnis ab, wo die Knochenreste der Urtiere zusanimengetragen sind. So führt der Weg durch romantische Partien, an mächtigen Grottenpfeilern vorbei, durch lange Stollen hindurch, und die Augen der Tiefe, die Höhlenseen, schauen uns mit magischer Gewalt an und behalten uns in ihrem Bann, selbst wenn wir aus dem letzten Stollen heraus wieder auf 65 Stufen emporsteigen ins Freie und dem lieben Licht des Tages zurückgegeben sind. Wohltuend hatte auf uns die Art und Weise der Führung gewirkt. In den Darlegungen, die den Ciceronen eingeprägt waren, waltete ein religiöser Unterton. Als wir von dem ,,großen Dom“ Abschied nehmen wollten, sagte der Führer wörtlich: ,,Wir verlasen diese erhabene Stätte und danken dem Schöpfer der Natur, der uns diese Höhle geschenkt hat.“ Solche Töne ist man ja heute zu hören ungewohnt. Aber wenn dazu auch wahrscheinlich die Kennzeichnung der Halle als eines Domes den Anlaß gegeben hat, so war es für uns doch der richtige Ausdruck jenes Gefühles, immer bei den Wundern der Natur nur staunend der Größe dessen zu gedenken, der das Werk des Anbeginns geschaffen. Diese Bewunderung über die Herrlichkeit der Natur war auch eigentlich das Ueberragende in unserer Stimmung; das Drückende zweifelerweckender Probleme hatten wir eigentlich kaum empfunden. So war es natürlich, daß, als wir uns dann im weichen Grase niederstreckten, um das Erlebte noch einmal zu überdenken, das Herz nicht so zum Ueberlaufen voll war wie damals, als die Stalaktitenhöhlen von Rübeland die Frage der Zuverlässigkeit des biblischen Schöpfungsberichtes zum

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