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Jeschurun · 1929-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1929) · p. Seite 363

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1929)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1929)
Date
1929-07-01
Page
Seite 363 (sequence 45)
Language
German
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Höhle Heimkehle 363 eintaucht in den Schlund der Erde. Wird an dieser Höhle es wahr werden, was Hiob von der nimmer rastenden Kraft und Forschungsgierde des Menschen sagt: ,,In die Felsen bricht er Schächte ein, und alle Kostbarkeiten schauet sein Äuge“. Werden sich nun Geheimnisse uns enthüllen? Immer wieder, so oft der Mensch den Kreis seines Wissens durch ein neues Mittel erweitert sieht, glaubt er hoffnungsfreudig dem Rätsel des Lebens näher zu kommen. Äls zum ersten Male das Mikroskop die Bewegungen der kleinsten Organismen wahrnehmbar machte, da war es dem glücklichen Entdecker gar kein Zweifel, daß ihm jetzt jeder Einblick in die Werkstatt der Natur sich auftun müsse. Und so stiegen wir herab, mit klopfendem Herzen, in der Erwartung großer neuer Spannungen und Erkenntnisse . Drunten ist es unheimlich still. Nur leises Tröpfeln herabsickernder Bergwässer erinnert an die unermüdliche Tätigkeit des Wassers in der Höhle. Es beginnt die Wanderung. Das Bild ist gänzlich verschieden von dem, das die Hermannshöhle in Rübeland einst uns darbot. Riesenhafte Hallen und Grotten hat das Wasser aus dem Stein gehöhlt. In zwölf spiegelklaren Seen, die zum Teil mehrere Meter unter dem Wasserspiegel der Tyra liegen, und langhingestreckten Teichen hat das rastlose Höhlenwasser sich hier niedergelassen. Sie wirken märchenhaft, wie in Schloß Lindenhof der Lohengrinsce des phantastischen Bayernkönigs. Mächtige alabasterweiße Felsblöcke, oft von 4 m Länge und 3 m Breite, sind wild zu riesenhaften Trümmerfeldern aufgetürmt. Um die Seen steigen die Gipsfelsen wie in einer ״Älpenlandschaft“ auf, und ein ..ewiger Regen“ rieselt in den Ecken klatschend auf die Seen hinab. In den langen Tunnels hängen klingende Klippen herab, die beim Anschlägen glockenähnliche Töne hören lassen. Immer wieder wird das Äuge durch reizvolle Äuswaschungsgebilde und die eigenartige Gesteinsstruktur gefesselt. Am mächtigsten ist der Eindruck zweier gewaltiger Kuppelgewölbe, des ,,großen und kleinen Dom“, der erste von 30 m Höhe und 65 m Durchmesser, voll erhebender Raumwirkung; durch die Lichtreflexe

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