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Jeschurun · 1929-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1929) · p. Seite 362

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1929)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1929)
Date
1929-07-01
Page
Seite 362 (sequence 44)
Language
German
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362 Höhle Heimkehle Münze hin, was ihnen dargeboten wird. Da sind wir Juden doch anders. So leicht bindet man uns keine Hypothese auf. Es muß sich uns alles aus dem Ganzen rechtfertigen, aus der Totalität unserer Auffassung; eher können wir uns nicht zufrieden geben. So haben wir uns unsere Bibel bewahrt und brauchen nicht wie die Ändern uns aus dem Trümmerhaufen der Bibelkritik langsam das Heiligste wieder aufbauen. So hat uns auch die Natur tiefere zusammenhängendere Antwort gegeben als denen, die sich die Zufälligkeit all ihrer Gestaltungen haben aufreden lassen. Wir hängen nicht unser Weltbild ans Nichts und schreiten deshalb in unserer Gebundenheit sicherer und fester über den Boden wie die Andern, die sich frei dünken.“ Unter solchen Gesprächen waren wir dem Abhang des Reesberges nähergekommen, vor dem sich die fruchtbare Tiefebene gemächlich ausbreitet. Niemand vermutet, daß der Bergstock innerlich ausgehöhlt, daß die kleine Tyra, die uns auf unserem Wege mit freundlichem Geplätscher begleitet hatte, hier innen gehaust und in dem Gipsstock des Berges die wundersamsten Bildungen geschaffen hat. Schon seit dem 14. Jahrhundert hatte man in der Gegend von der Höhle Heimkehle geredet, aber erst 1920 ist durch eine großartige Aufschiisßung dieses gewaltige Naturdenkmal, mit seinen 2000 Metern die größte Gipshöhle der Welt, zugänglich geworden und hat das elektrische Licht die Tiefen, in die nie ein Sonnenstrahl gedrungen war, dem Auge sichtbar gemacht. Wir besteigen den ,.alten Stolberg“. Durch schattiges Grün gelangen wir auf eine Plattform. Nun tut sich vor unseren Äugen ein tiefer EräfaH, der Riesenhöhlenrachen, auf. Auf 85 Stufen steigen wir in den Abgrund hinab, als sollten wir, wie Faust, zu den Müttern niedersieigen. Langsam verschwindet das freundliche Licht der Sonne. Wie mit einer leisen Ironie hat man über das Tor des Eingangs in Abwandlung des Dantewertes den Spruch gesetzt: ,,Laßt nicht, die ihr hier eingeht, jede Hoffnung fahren!“; es haben die Erschließe der Höhle wohl gewußt, daß jeden ein Grauen des Todes umfängt, der

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