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Jeschurun · 1929-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1929) · p. Seite 354

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1929)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1929)
Date
1929-07-01
Page
Seite 354 (sequence 36)
Language
German
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354 Die göttlichen Ättribute daß die Gottesfurcht durch jene Äeußerungen der Heilig״ keit entstehen kann, wodurch aber das andere Element der naturgemäßen Gesetzlichkeit keineswegs ausgeschaltet werden soll. So umfaßt denn der Begriff נורא mehr als ״קדושה Diese Unterscheidung ist darum von Bedeutung, weil erst durch sie Wesen und Entstehung der Gottesfurcht verstand״ lieh werden. Weder das Ueberirdische und Uebermenschliche im göttlichen Wirken ist es, noch auch andererseits das Naturhaft-Gesetzmäßige, das die Gottesfurcht hervorbringen kann. Denn die übernatürlichen Wundertaten Gottes in der Natur, wie auch die gnadenreiche Milde der göttlichen Gerichtsbarkeit würden nur sorglose Vertrauensseligkeit von seiten des Menschen zur Folge naben. Und andererseits würde der unabänderliche Zwang des Naturgesetzes, wie auch die unerbittiiehe Strenge des göttlichen Gerichtes den Menschen nur zur Angst erziehen und dumpfe Resignation in ihm erzeugen. Was vielmehr allein die Gottesfurcht erwecken kann, ist das unergründliche Zusammenwirken von Liebe und Gerechtigkeit, von Naturgesetzlichem und Uebernatürlichem, wie nur Gott es vollbringen kann. Infolge dieser Paarung von Milde und Strenge hat ,/die Kreatur, die vor Gott erzittert in demütigem Verzagen, immer zugleich den Antrieb, sich zu ihm hinzuwendend‘ So ist denn in dem kurzen, kabbalistischen Aus- Spruch: ״לפי* שהוא כלול מן ההסד ומין הדין לפיכך היא נורא״ die tiefe Begründung der Gottesfurcht enthalten, die auch in Akedath Jizchok (Tor 92) in größeren, überzeugenden Darlegungen und durch wesentliche Argumente gestützt wird. 3. Während diese Feststellung zunächst nur von psychologischer Bedeutung ist, ergibt sich jedoch aus der weiteren Betrachtung noch ein sehr wesentliches Moment, das von eigener, pädagogischer und ethischer Tragweite ist. Es ist dies nämlich der Umstand, daß jene Synthese von הסד und דין mit absoluter Eindeutigkeit als der Weg des אמת und des שלום bezeichnet, ja sogar תפארת,,Herrlichkeit“ genannt wird. In diesem Zusammenhang muß zunächst darauf hingewiesen wer״ den, daß diese Synthese, die das מדת הרהמים bildet, zu-

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