Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1929)
- Date
- 1929-07-01
- Page
- Seite 343 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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Die göttlichen Httribute 343 diejenigen anzusprechen, die für die Bedeutungsentwicklung des Attributes נורא in jeder Hinsicht richtunggebend sind. Denn obgleich das ,,Gefürchtetwerden“ hier zunächst in Zusammenhang mit den ,,Heiligtümern“ gesetzt wird, so beweist doch die verschiedenfache Auslegung des ״מקדשיך״ auf mehrere ,,Arten“ von Heiligtümern, daß eine direkte Beziehung zwischen der Gottesfurcht und der göttlichen Heiligkeit überhaupt bestehen muß. In der Tat wird die folgende Erörterung den Nachweis erbringen, daß viele WesensäuBerungen der göttliehen Heiligkeit im Sinne des jüdischen Schrifttums das Gefühl der יראה im Menschen weckt.3 Ausgehend von dem Begriff der göttlichen Heiligkeit muß zunächst festgestellt werden, daß sich diese nach außen hin in mannigfacher Weise auswirkt. Stets bleibt aber und allen gemeinsam als Kriterium der Heiligkeit — ähnlich wie bei dem Menschen — die Absonderung, das Losgelöstsein und daher die Erhabenheit, Unabhängigkeit und Freiheit. Die Definition von S. R. Hirsch (Ex. 15,11) trifft daher zu: ,,Die absolute — durchaus unabhängige, durch nichts bedingte, von nichts abhängige und durch nichts gehinderte und zu hin- 3 Die Bedeutung der hier festzustellenden Bindung der Gottesfurcht an die Heiligkeit erschöpft sich jedoch nicht in formal-logisehen Begriffskonstruktionen, vielmehr liegt ihr eine psychologische Tatsache von tiefem Wahrheitsgehalt zugrunde, die von besonderer religiöser Tragweite ist. Wiewohl dieser Umstand für die tiefere Erfassung des Folgenden von größter Wichtigkeit ist, muß dennoch auf eine Besprechung jener psychologischen Seite, da sic den Rahmen der Untersuchung überschreiten würde, verzichtet werden. Es genüge daher der Hinweis auf das wertvolle Werk des protestantischen Theologen Otto: ״Das Heilige“, der in seinen Ausführungen über das ״Numinose“, wie über die ״Kontrasiharmoiiic des tremendum und des fascinosum“ sich mit echt jüdischer Anschauung vielfach begegnet. Die Berührungspunkte seiner Lehre mit der des Judentums sind von I. Heinemann in dieser Zeitschrift aufgezeigt worden, (״Das Ideal der Heiligkeit im hellenistischen und rabbinischen Judentum“ VIIL 3 4). Die hiermit angedeutete psychologische Beziehung ist bei der folgenden Erörterung nie aus dem Äuge zu verlieren.