Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1929)
- Date
- 1929-07-01
- Page
- Seite 340 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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340 Moses Mendelssohn und das thoratreue Judentum kennt und befolgt, ist er nie gewesen und kann er noch weniger nuserer Zeit sein.12 J. W. 12 Unsere Erörterungen haben die Funde, die uns die Jubiläums״ ausgabe von Mendelssohns Schriften bringen wird, noch nicht berücksichtigen können. Im laufenden Jahrgang der M. G. W. J. Heft 3/4 gibt uns F. Bamberger in dem Äufsatz: ״Die geistige Gestalt Moses Mendelssohns“ eine sehr gedrängte UeberSicht dessen, was er auf Grund der neuen Jubiläumsausgabe über Mendelssohns philosophische und aesthetische Änsichten sowie über seinen Religionsbegriff in demnächst erscheinenden Arbeiten sagen wird. Verfasser versucht den Nachweis zu führen, daß Mendelssohns philosophische Gedankengänge aus der ״Aufklärung“ herausführen, daß die fatale ״Verständigkeit“ und ״Vernünftigkeit“ eines Wolf, ״für den die Kunst gegenüber der Wissenschaft nur eine gering zu schätzende Vorstufe ist“, in Mendelssohns Schriften zur Aesthetik einer Auffassung Platz macht, ״die ihn bis zu einem Punkte führt, wo unmittelbar die Klassik sich anschließt“. Aber Verfasser muß zugeben, daß für die Theorie der Religion diese Gedankengänge bei Mendelssohn keine Rolle spielen, daß auch in ״Jerusalem“ ein Bruch ist, den Hamann und Jacobi richtig gesehen. Im Uebrigen schließt er mit der Bemerkung, daß das überlieferte Mendelssohnbild zu Recht besteht. Es gehe auf das Faktum seiner Existenz, auf die bloße Tatsache, daß einer Philosoph und Jude zugleich war, daß er als beides anerkannt war und in der Sicherheit wurzelte, beides gleichzeitig sein zu können. So scheint es uns, daß wir unsere Ausführungen nicht werden zu modifizieren brauchen. Als eine Art Bestätigung möchten wir noch folgende Sätze Bambergers zitieren: Hamanns Charakteristik (sc. des Jerusalem) gilt einigermaßen auch für Mendelssohns Leben: er hat das jüdische und das philosophische Leben auseinandergehalten und hat in beiden Anschauungen und Bewertungen parat gehalten, die er nicht durcheinander geworfen hat. Aber sein Gesamtdasein ist deshalb nicht auseinandergefallen; wenn man paradox sein will, könnte man sagen, weil er beides nicht vereinigt hat, hat er es zusammengebracht — in der ihm selbstverständlichen Ueberzeugung, daß beides nebeneinander stehen kann“. Sehr wahr! Und es ist sehr interessant, wie wir beide völlig unabhängig von einander (der vorliegende Aufsatz ist die wörtliche Wiedergabe eines Vortrages bei der Eröffnung des Sommer- Semesters des Rabbinerseminars vor zirka 4 Monaten) zu dem glei-