Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1929)
- Date
- 1929-07-01
- Page
- Seite 336 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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336 Moses Mendelssohn und das thoratreue Judentum aber wiederum durchaus subjektiven Einstellung ausgeht, die nicht genügend philologisch, d. h. auf dem Pschat gegründet ist. Aber das muß hier hervorgehoben werden, wie durchaus subjektiv auch seine Begründung des Bildungsprinzipes ist. Alle seine an sich so schönen, ja z. T. ergreifenden Aufsätze über Hellenismus und Judentum, über das jüdisch Ideale der humanistischen Bildung sind gerade von seinem Grundprinzip aus auf die Quellen zurückzugehen, wie sie uns in der ur~ sprünglichen Erfassung des Bibel׳- und Midraschwortes gegeben sind, wie Berge, die an einem Haare hängen, eine Exegese des Segens an Noah, einige zerstreute Agadaworte. Wenn er doch bahnbrechend gewirkt, wenn er noch jetzt in seinen Schriften lebt und immer wieder von neuem Seelen schafft für das thoratreue Judentum, so ist es die geradezu prophetische Glaubensüberzeugung, die ihn beherrscht, deren Glut sich keiner entziehen kann, der ergriffen sein will von dem Geist des überlieferten Judentums, mag er der Form, in die S. R. Hirsch seine Ideen gekleidet und den Einzelheiten in seinen Ausführungen noch so kritisch gegenüberstehen. Auch S. R. Hirsch ist nach Begabung und Wirkungsbe׳- reich nur in weitem Abstand von Maimonides zu nennen. Der größte jüdische Religionsphilosoph des Mittelalters war zugleich sein größter Gesetzeslehrer, und das sichert Maimoniaes, daß er uns für alle Zeit Führer bleibt in Gesetz und Lehre. Beiden gemeinsam aber ist das heilige Feuer für das ursprünglich Jüdische, für den Wahrheitsgehalt der sinaitisehen Offenbarung. Als einen törichten Einfall des geistvollen Ächad Haam ist es zu bezeichnen, wenn er in seinem שלטן השכל die eigentliche Lebensarbeit des Maimonides, die grandiose Modifizierung der Halacha als das nationale Rettungsseil be׳- zeichnet, zu dem er gegriffen, um der Verflüchtigung der Gesetzesreligion, die dieser aus dem Rationalismus drohte, zu begegnen. Wie wenig hat der von dem Geiste des Rambam einen Hauch verspürt, der in dem Mischne Thora einen sol-׳ dien Lückenbüßer sieht. Nein! Ein ganzes Leben opfert man