Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1929)
- Date
- 1929-07-01
- Page
- Seite 332 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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332 Moses Mendelssohn und das thoratreue Judentum nennbaren heiligen Gefühle begleiteten unsere Blicke den liebenswürdigen Philosophen in seine Andachtsstube, von wo er nach einer halben Stunde mit derselben Freundlichkeit zu uns zurückkehrte. Indem er sich niedersetzte, sagte er zu seiner Frau: ,Jetzt bin ich wieder in meinem Amte und ich will es nun einmal versuchen, an Deiner Stelle die Honneurs zu machen, da Dich Geschäfte abrufen; unsere Freunde werden entschuldigen. Mendelssohns Frau empfahl sich, ging zur Famiiie, weihte den Sabbath durch Lichteranzünden und kam darin zu uns zurück. Wir blieben noch einige Stunden zusammen.“ Ein Freitag Abend im Hause Moses Mendelssohns! Können wir uns bei einem Maimonides, Nachmanides, Äharbanei, die wahrlich doch auch mit Fürsten verkehrten, können wir uns bei einem noch so gebildeten frommen Juden, der ein echter Jehudi ist, einen solchen!^ קבלת vorstellen. Keiner darf für seine Kinder verantwortlich gemacht werden und nun gar in einer Zeit der furchtbaren Gährung wie sie die Mendelssohnsche war. Aber man nimmt nicht, wenn einem wirklich das Jüdische das Primäre, das Heilige ist, einen Herz Hornberg zum Erzieher seiner Kinder, einen Mann über dessen Frömmigkeit bei all seinen jüdischen Kenntnissen Mendelssohn schon damals nicht im Zweifel sein konnte. So trat in Wahrheit dies תורה עם דרך ארץ ideal mit einem starken Bruch der jüdischen Innerlichkeit in die Erscheinung. Die späteren Vorkämpfer für dies Ideal haben in ihrer Begeisterung diese Schwäche und die Gefahr, die schon damals in der restlosen Hingabe an die profane Bildung gegeben war, nicht gesehen. Ein sehr interessantes Zeugnis dafür, wie bedingungslos Mendelssohns Wirken im thoratreuen Judentum anerkannt wurde, haben wir in den Gedenkreden und Aufsätzen, die anlässlieh seines hundertjährigen Todestages in den führenden Organen veröffentlicht wurden. Der ,,Israelit“, der ״Jeschurun“ und die ,,Jüdische Presse“ bringen Leitartikel, die alle mit kleinen Nuancierungen den