Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1929)
- Date
- 1929-07-01
- Page
- Seite 329 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Moses Mendelssohn und das thoratreue Judentum 329 Jedenfalls ist daraus ersichtlich, wie weit Mendelssohn davon entfernt war, den Gegensatz von Glauben und Wissen als tiefstes und beherrschendes Problem des die religiöse Ueberzeugung sich erringenden Menschen zu erfassen, wie wenig er demgemäß der Mann war, für seine Zeit und seine Glaubensgenossen eine Lösung zu geben. Der äußere Grund dafür, daß Mendelssohn nicht zu einem Führer der Irrenden geworden, war einerseits in den Verhältnissen des Judentums seiner Zeit gegeben, andererseits in seiner Charakteranlage. Er hatte kein eigentliches Forum, vor dem er seine Gedanken hätte vortragen können. Der Mangel an profaner Bildung und damit an dem Bedürfnis, sich mit den Gedanken der Umwelt auseinander zu setzen, war so groß, daß ihm der Resonanzboden gefehlt hätte. Es ist immer mißlieh, pragmatische Geschichtsbetrachtung von ein e m Gesichtspunkt aus anzustellen und die Verfolgungen und Unterdrückungen allein für das mangelnde Interesse an profaner Bildung bei den Juden Deutschlands und Polens verantwortlieh zu machen. תמימות fromme Einfalt, dies Wort in edelstem Sinne war schon zu den ältesten Zeiten der spezifische Charakterzug der Juden Süddeutschlands und damit deren Erben der späteren polnisch-deutschen Judenheit. Aber es ist keine Frage, daß Kreuzzüge, schwarzer Tod, Chmelnikische Verfolgung, Ghetto und gelber Fleck das ihrige beitragen, um eine Ein- Stellung zu schaffen, die allem, was von außen kam, feindlich, zum mindesten gleichgültig gegenüber trat. Wie ja auch in der Entwicklung der spanisch-portugiesischen Judenheit mit der Vertreibung aus Spanien ein Bruch eintritt, das Interesse für die Verbindung von jüdischem und profanem Wissen wird völlig absorbiert durch die Beschäftigung mit der Kabbala. Mit dem Ende des Mittelalters in der nichtjüdischen Welt beginnt recht eigentlich das Mittelalter in der jüdischen. Wenn dem מהרש" ל gegenüber, diesem großen und freien Geist, als der er sich in seinem Kampfe gegen die Kodifizierung des Schulchan Äruch erweist, der רמ״א sich entschuldigen muß, daß er die Kenntnis der aristotelischen Ansichten, die er in seinem