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Jeschurun · 1929-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1929) · p. Seite 328

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1929)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1929)
Date
1929-07-01
Page
Seite 328 (sequence 10)
Language
German
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328 Moses Mendelssohn und das thoratreue Judentum der interessantesten Kapitel seines More Nebuchim ausspricht. Es gelingt ihm nicht, die Schöpfung der Welt gegenüber der aristotelischen Theorie von ihrer Ewigkeit zu beweisen. Und er fragt sich, warum er denn trotz alledem an dieser Lehre des Judentums unerschütterlich festhalte und nicht die Bibelstellen, die sie verkünden, allegorisiere und interpretiere, wie er es mit den Anthropomorphismen getan. Und seine Äntwort? Weil mit ihrer Negierung das Eingreifen Gottes in die Geschichte Wegfälle, jede Möglichkeit der Offenbarung, jede Verbindlichkeit der Gesetze.3 So muß das Unbeweisbare als Postulat angenommen werden. In Mendelssohn war jener Glaube an die Untrüglichkeit der Vernunftbeweise, wie sie das Charakteristikum der Wolf-Baumgarten war, noch ausgeprägter, für ihn war es wohl noch schwerer, das Unbeweisbare anzunehmen. Dennoch dürfen wir nicht daran zweifein, daß es ihm Ernst mit dem Bekenntnis war: ,,Unsere Vernunft kann ganz gemächlich von den ersten sicheren Grundbegriffen der menschlichen Erkenntnis ausgehen und versichert sein, die Religion auf ihrem Wege zu treffen. Im Judentum ist kein Kampf zwischen Religion und Vernunft, kein Aufrühr der natürlichen Erkenntnis wider die unterdrückende Kraft des Glaubens.“4 Zu welch seltsamen Ergebnissen er freilich hierbei gelangte, zeigt seine Aeußerung in der Schrift ״an die Freunde Lessings“: ״ daß Spinoza seiner spekulativen Lehre ungeachtet, orthodoxer Jude hätte bleiben können, wenn er nicht in anderen Schriften das echte Judentum bestritten und sich dadurch dem ״Gesetze“ entzogen hätte.“ Hier müssen wir schon annehmen, daß es der bekannte Mangel bei Mendelssohn in der Vertrautheit mit dem System Spinozas war, die Mendelssohn zu einer solchen Bemerkung veranlaßte. Denn wie man orthodoxer Jude, ja überhaupt nur Bekenner einer positiven Religion bei Leugnung der Transzendenz Gottes zu sein vermag, ist unerfindlich. 3 More Neb. II 25. 4 Ges. Sehr. III 164

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