Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1929-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1929) · p. Seite 326

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1929)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1929)
Date
1929-07-01
Page
Seite 326 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2292929-2293065-2293069--10547-2303844
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

326 Moses Mendelssohn und das thoratreue Judentum lichem Erlebnis jüdischer Gläubigkeit nachzuspüren. ״Ich er״׳ kenne keine andere ewige Wahrheiten als die der menschlichen Vernunft nicht nur begreiflich, sondern durch menschliche Kräfte dargetan und bewährt werden können“, heißt es in seinem ״Jerusalem“1 und darin ist bekanntlich auch die ״na״׳ türliche Offenbarung“ des Deismus enthalten. Wie kommt er aber von hier auf die geschichtliche Offenbarung, die bekanntlich von Tholand über die große Reihe der Deisten bis auf die Zeitgenossen Mendelssohns zum Zielpunkt der stärksten und zum Teil schmählichsten Angriffe auf die Bibel gemacht werden? Im Jerusalem heißt es weiter: ״So oft es den Absichten Gottes gemäß ist, so verleiht ihnen seine Weisheit auch die schicklichsten Mittel zu denselben zu gelangen. Ist es eine notwendige Wahrheit, so verleiht sie den dazu erforderliehen Grad der Vernunft. Soll ihnen ein Naturgesetz bekannt werden, so gibt sie ihnen den Geist der Beobachtung; und soll eine Geschichtswahrheit der Nachwelt aufbehalten werden, so bestätigt sie ihre historische Gewißheit und setzt die Glaubwürdigkeit der Erzähler über alle Zweifel hinweg.“2 Es bleibt nichts anderes übrig als anzunehmen, daß Mendelssohn von der Sicherheit der Geschichtswahrheiten überzeugt gewesen ist, will man ihn nicht der Heuchelei zeihen. Bei der von allen denen, die einen vertrauten Verkehr mit ihm pflegten, festgestellten Lauterkeit seines Charakters, bei dem Umstande, daß aus allen seinen Schriften und Briefen eine edle Seele her vor leuchtet, bei der Tatsache, daß Lessing eben um dieses seines Charakters willen ihn seiner Freundschaft würdigte, denn die geistige Wahlverwandtschaft konnte bei dem Abstand zwischen dem Genie Lessing und dem Talent Mendelssohn keine so innige sein, bei der Tatsache, daß Lessing ihn zum Vorbild seines ״Nathan der Weise“ nahm, ist die Annahme einer Unredlichkeit, die ihn sein ganzes Leben hindurch begleitet hätte, ausgeschlossen. 1 M. Mendelss. Ges. Sehr. III S. 511. 2 ebds. S. 315.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.