Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1929)
- Date
- 1929-07-01
- Page
- Seite 325 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2292929-2293065-2293069--10546-2303843- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Moses Mendelssohn und das thoratreue Judentum 325 Probleme angeschnitten und es zu einer Auseinandersetzung zwischen Glaube nund Wissen, der Lehre des Judentums und der des Aristoteles kommt, ist eigentlich nur eine Nebenfolge, aber nicht beabsichtigter Ausgangspunkt. Immerhin ist es keine Frage, daß seinen Lieblingsschüler Ibn Aknin schließlich auch die anderen religionsphiloso״ phischen Probleme werden gequält haben. Hatte doch die jüdisehe Religionsphilosophie schon eine lange Entwicklung hinter sich und wir finden bei Abraham Ibn Daud, dem letzten Vor״ ganger, eigentlich schon alle Probleme angeschnitten und be״ handelt, ja zum größten Teil in gleicher Weise gelöst, wie bei Maimonides. Insofern bot Maimonides seinen Zeitgenossen einen Ausgleich zwischen Glauben und Wissen. Und dies nicht nur in Fragen der allgemeinen positiven Religionen, sondern hinsichtlich des Verhältnisses der jüdi״ sehen Religion zu der Philosophie seiner Zeit. Maimonides war in der glücklichen Lage, daß seine Naturphilosophie sich mit der des Aristoteles deckte, daß Schwierigkeiten, die aus der empirischen Naturwissenschaft und aus der Religionsgeschichte sich ergaben, dem damaligen Denken völlig fern lagen. So konnte es, wenn wir von der Differenz zwischen dem jüdisehen Glauben an die Schöpfung und der aristotelischen Theorie von der Ewigkeit der Welt absehen, in der Maimonides in״ bezug auf die Beweisführung zu einem non liquet gelangt, zu einem restlosen Ausgleich kommen. Moses Mendelssohn versagt hier völlig. In einem Punkte freilich, einem der wichtigsten Glaubenspunkte aller Offen״ barungsreligionen, ist sein Bemühen von außerordentlichem Erfolge begleitet. Sein Phädon, oder ״über die Unsterblichkeit der Seele“, macht ihn zum berühmtesten Schriftsteller seiner Zeit. Alle anderen metaphysischen Probleme machen ihm kein Kopfzerbrechen, denn sie sind ja mit der ״natürlichen Reli״ lion“ dem Glaubensbekenntnis der Äufklärungsperiode gelöst. Oder doch?! Schwieriger noch als psychologisch die see״ lische Geschlossenheit des Autors des Jad Hachasaka und des More Nebuchim zu erfassen, ist es, Mendelssohns persön״