Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1929)
- Date
- 1929-07-01
- Page
- Seite 324 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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324 Moses Mendelssohn und das thoratreue Judentum i. s. G. des Erziehungswesens der abendl. Juden in umfassendem Maße erwiesen, daß das nicht nur von dem spanisch-südprovenzaiischen Kulturkreis, sondern eigentlich von dem gesamten abendländischen Judentum bis hart an die Grenze des Mittelalters gilt. Ebensowenig handelt es sich zur Zeit des Maimonides um eine Befreiung von einem solchen materiellen Druck, der einen geistigen Tiefstand zur Folge gehabt hätte. Blutige Verfolgungen hatten überall und zu allen Zeiten stattgefunden. Aber jene Maßregeln, die in Wohnung, Kleidung, Beschränkung jeder edleren Erwerbsmöglichkeit im Gefolge der Kreuzzüge, der Wirksamkeit der Mönchsorden, besonders judenfeindlicher Päpste die Juden in eine Pariastellung rückten, die sie vor anderen und vor sich verächtlich machten, hatten sich noch nicht ausgewirkt. So war für Maimonides nicht Aufgabe und Ziel sein Volk ,,geistig zu heben“. Dessen bedurfte das Volk nicht, dem er seinen Mischnahkommentar und Jad Haschasaka schenkte, die doch nicht bloß für die höchste geistige Auslese bestimmt waren. Es handelte sich ebensowenig darum, das Judentum mit dem Leben auszusöhnen. Das ,,Leben“ stellte garnicht die Probleme. Die wirtschaftlichen Verhältnisse waren nicht so kompliziert, daß hier Konflikte sich ergaben, die sozialen boten schon etwas größere Schwierigkeiten für die Höhergestellten aber der Unterschied der Religion richtete von selbst solche Schranken auf, daß sie nicht drückend empfunden wurden. So führt keinerlei Brücke von dem uns geläufigen Schlagwort הורה עם דרך ארץ zu den Bestrebungen und Großieistungen des Maimonides. Für Maimonides handelt es sich nicht, um die Frage der Notwendigkeit der ,,Bildung“ noch viel weniger um den des selbständigen Wertes der Bildung, sondern nur um eine so zu sagen ganz interne Angelegenheit des Judentums, um die Reinhaltung und Klärung des jüdischen Gottesbegriffs. Wenn irgendwo ein Vorwort über den Sinn eines Werkes Aufklärung gibt, so geschieht das im More Nebuchim. Daß im Verfolg der Ausführungen dann alle religionsphilosophischen