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Jeschurun · 1929-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1929) · p. Seite 322

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1929)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1929)
Date
1929-07-01
Page
Seite 322 (sequence 4)
Language
German
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322 Moses Mendelssohn und das thoratreue Judentum so müssen wir das entschieden verneinen. Selbst die bei vielen herrschenden niedrigen Auffassungen von Gott und seiner Lehre konstatiert er bloß, ohne daß es ihm ans Herz greift. Wie anders Maimonides! Beiden gemeinsam ist die Abneigung gegen die ׳תלמודיים mit Grätzscher Nomenklatur ,,die Stocktalmudisten“ (nur daß freilich Maimonides und wohl ebensowenig Mendelssohn mit dieser Bezeichnung je so freigiebig gewesen), gegen die, die über die Halacha und die wörtliche Auffassung der Haggada die tiefere Bedeutung des Ideengehalts des Judentums vernachlässigten und gegen jedes wissenschaftliche Interesse eiferten. Aber wie geht Maimonides hier das Leid der durch die Beobachtung grober Vorstellungen im Judentum zum Irrtum Verleiteten ans Herz, wie hat er sich in dem Briefe an seinen Schüler, dem der More Nebuchim gewidmet ist, in der Einleitung zu diesem Werke und an vielen Stellen in ergreifenden Worten, in heiligem Eifer erregt. Mendelssohn hat nie aus der Seelennot seiner Glaubensbrüder geschaffen, ja ihn selbst hat — soweit man hier aus den!unterlassenen Schriften, aus Briefen, aus mündlichen Aeußerungen schließen kann, eine solche Not nie erfaßt. Mischnakommentar, Jad Hachasaka, More Nebuchim auf der einen Seite, die Ritualgesetze der Juden, Schreiben an Lavater, Jerusalem auf der anderen Seite. Dort Monumentalwerke, für die Ewigkeit gegründet, aus dem Bedürfnis der Zeit heraus geboren und doch über sieben Jahrhunderte hinaus noch lebendig, hier Durchschnittsschriften, schon bald nach ihrem Erscheinen veraltet, entstanden durch einen äußerlichen Anstoß, nicht den eigenen Trieb des Autors. Maimonides jüdisch bis in die letzte Faser trotz alles Fremden, das uns der More Nebuchim bietet, Mendelssohn ein Deutscher jüdischen Glaubens, Maimonides ein jüdischer Philosoph, Mendelssohn ein philosophierender Jude, wobei die Philosophie noch verzweifelt wenig mit dem Wesen des Judentums Berührungspunkte hat. Jener bekannte Ausspruch ממשה עד משה לא קם כמשה daß von Mosche bis Mosche keiner erstand, der Moscheh glich, war schon von Maimonides gesagt, für den er geprägt wurde,

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