Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1929)
- Date
- 1929-05-01
- Page
- Seite 306 (sequence 88)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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306 Die Entstehung des babylonischen Talmuds Das Jahr 219 bedeutet den Beginn einer neuen Epoche der jüdischen Geschichte. Der Schwerpunkt des jüdischen Geistesleben verschiebt sich von Palästina nach Babylonien. Mit Ausnahme der wenigen Jahrzehnte vom Tode Mar Samuels bis zum Heimgange des großen Palästinensers R. Jochanan bleibt die geistige Vorherrschaft Babels mehr als 8 Jahr״ hunderte hindurch, bis zum Ableben R. Hai Gaons. Schon R. Huna, der Schüler Rabs, bemerkt (Git. 6 a; B.k. 80 a), seit Rabs Rückkehr nach Babylonien betrachtete man dieses zweite jüdische Zentrum in mancher Hinsicht wie das heilige Land. Bezeichnend für Rabs Bedeutung ist, daß man ihn fast gar nicht mit seinem eigentlichen Namen — Abba ber Aibu 2) — nannte. Für die babylonischen Amoraim ist er einfach ׳רב Lehrer; ebenso wie R. Jehuda Hanasi für die letzten Tannaim רבי ist. Rab stammte aus Babel, zog nach Palästina, um hier bei seinem auch aus Babel eingewanderten Oheim, R. Chija,3) und besonders eben bei Rabbi4) sich im Torawissen zu vervollkommnen. In jahrzehntelangem Studium eignete er sich die palästinensichen Ueberlieferungen * und wohl auch die dortigen Methoden an und verband sie in glücklicher Weise mit der babylonischen Lern״ und Lehrweise. Palästina, der Sitz des Sanhedrin und damit das Land der Halacha, war vor allem die treue Sammlerin der Ueberlieferung. Die wichtigsten und zuverlässigsten hatte das große Kollegium Rabbis, der Wa’ad von Zippori in dem Monumenialwcrk der Mischna gesammelt. Mit Recht gilt die Mischna als literarische Zusammenfassung und literarischer Abschluß des palästinensischen Geisteslebens seit Heimkehr aus dem babylonischen Exil bis zum Auf hören der palästinensisehen Vorherrschaft zu Beginn des dritten Jahrhunderts der bürgerlichen Aera. Einen großen Teil der nicht in die Mischna ־) s. Sanhedrin 5 a. 3) s. Moed k. 16 b. 4) s. Chul. 54 a, 137 b. •r>) Beresch. r. c. 33 erwähnt auch babylonische Ueberlieferungen* die Rab in Palästina bei seinem Oheim R. Chija lernte.