Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1929)
- Date
- 1929-05-01
- Page
- Seite 252 (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2292929-2293065-2293068--10470-2303766- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
252? חבר עיר Was ist praktische Anteilnahme am Leid der Trauernden den einzelnen Gemeindemitgliedern. Niemand konnte und wollte zurückstehen, auch die Äermsten nicht. Aber den letzteren mag es oft genug schwer geworden sein, eine Gabe aufzubringen, deren Unscheinbarkeit sie obendrein noch beschämen könnte. Daher wurde in größeren Gemeinden für diese Fälle Vorsorge getroffen. Man beschaffte eine Organisation, die sich der Versorgung der Leidtragenden annahm. Damit waren die einzelnen Gemeindemitglieder eigentlich aller Verpflichtungen entbunden. Wenn jemand darüber hinaus dem Trauernden noch eine besondere Ehrung und Aufmerksamkeit erweisen wollte, so war dies ein ganz freiwilliger Akt außerordentlicher Anteilnahme und Liebe. Unsere Stelle ist demnach sinngemäß folgendermaßen zu verstehen: Wenn jemand als tröstlichen Ausdruck seines Mitfühlens dem Trauernden einen Krug Wein ins Haus bringt, so darf dieser Krug nicht etwa nur halb gefüllt sein, während der Beschenkte offenbar den . Eindruck gewinnen soll, er sei ganz gefüllt; denn dieses wäre eine direkte Täuschung. Besteht aber an diesem Ort10 eine Organisation zu diesem Zwecke, in welchem Fall also der Einzelne überhaupt jeder Sondergabe entbunden wäre, so wird jede Spende als Liebeszeichen entgegengenommen. Denn es ist ja ohnedies für den Trauernden genugsam gesorgt. Jerusalem war solch eine große Stadt, in der für alle Zweige öffentlicher Wohlfahrt Vorsorge getroffen war. Was dort חבורה genannt wird, erscheint an unserer Stelle als חבר• Was hindert uns, beide Worte ihrer Bedeutung nach 10 Büchler ״Die Priester und der Cultus .. .״ Wien 1895, übersetzt hier, dem Sinn der Stelle nicht gerecht werdend, ״Wenn aber dort (— im Trauerhaus) die Stadtvereinigung anwesend ist“. Diese Uebersetzung ist recht nichtssagend und erklärt nichts; das Entscheidende ist doch, daß die Trauernden bereits versorgt sind und daß dies der Geber wohl weiß. Es liegt also aus diesem Grund keine Täuschung vor. Im kleinen Ort ohne cheber dagegen ist der Trauernde auf vollwertige Gaben der Einzelnen^ angewiesen;' dort läge eine Täuschung vor.