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Jeschurun · 1929-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1929) · p. Seite 238

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1929)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1929)
Date
1929-05-01
Page
Seite 238 (sequence 20)
Language
German
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.238 Die Prophetenlektüre im Religionsunterricht sam sind, jene entfernten Ausstrahlungen decken uns die schöpferischen Keime auf, die das prophetische Wort, welches der philologische Scharfsinn nicht zu ergründen vermag, in seinen Tiefen verbirgt. In diesem Sinne sehe ich es als das eigentliche Ziel der Prophetenlektüre im Rahmen des Religionsunterrichts an, daß eine Generation von Bibellesern her an gebildet werde, die sich nicht damit begnügt, das prophetische Wort nach den Regeln i der Grammatik gedeutet und an Hand der Kommentatoren erklärt zu haben; eine Generation, die danach strebt, die Kraft des religiösen Lebens und die Tiefe der Menschlichkeit, die in diesen Texten ihren Niederschlag gefunden hat, auf die eigene Seele wirken zu lassen. Was wir von dem Leben der Propheten, von dem Inhalt ihrer Botschaft, von den Empfindüngen ihres eigenen Herzens mit Sicherheit aussagen können, ist nur wenig; wir besitzen nichts als einen Schatz kostbarer j Fragmente. Ein so geartetes Schrifttum verlangt einen besonderen Leser, nicht einen solchen, der nur hineinhorcht in das Buch und der nur fragt, was es ihm zu sagen habe. Sondern dieser Leser muß wissen, daß das Lesen der prophetischen 1 Worte eine schöpferische Leistung ist und daß er mit dieser Leistung, mag sie ihm noch so schön gelingen, immer unter״ wegs bleibt nach einem hohen und letzten Endes unerreichbaren Ziel. Solche hochgespannten Forderungen sind allerdings . in der Praxis des Schulunterrichts nicht leicht zu erfüllen. Sie setzen einen Arbeitswillen und eine Hingabe an den Stoff voraus, wie wir sie von einer durchschnittlich begabten und interessierten Schülerschaft kaum erwarten dürfen. In der Tat glaube ich, daß eine Einführung in das Wesen des Prophetismus, wie ich sie oben zu skizzieren versucht habe, dem Unterricht in den drei oberen Klassen des Gymnasiums bezw. aber Fortbildungskursen für Schulentlassene vom 16. Jahre an Vorbehalten bleiben muß und daß auch hier nicht immer der geeignete Boden für derartige Bemühungen vorhanden ist. Nur, wo es sich , um Schulklassen oder freiwillige Ärbeitsgemein-

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