Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1929)
- Date
- 1929-05-01
- Page
- Seite 233 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Die: Prophetenlektüre im Religionsunterricht 233 Geschehnisse, die im Leben des Propheten eine Rolle spielen. Denn aus dem, was von den Handlungen des Propheten, von seinen Erlebnissen in der Außenwelt, und den Erfahrungen seines Inneren berichtet wird, aus dem Stil seiner Rede, der Eigenart seiner Bilder und Gleichnisse soll sich schließlich r für den Lernenden ein Ganzes runden; die Persönlichkeit 1 eines Arnos und Hosea, eines Jesaja und Jeremia soll für den י jugendlichen Leser lebendige Wirklichkeit werden. Wollen wir ז diese schwere pädagogische Aufgabe ihrer Lösung näher bringen, wollen wir unsere Propheten, die keine ״Heilige‘1 waren, sondern große Männer und gottbegeisterte Menschen, in ihrer Menschlichkeit, in ihrer menschlichen Begrenztheit und in ihrer menschlichen Größe erstehen lassen — so müssen wir den Versuch machen, auch die Geschichte ihrer Zeit, die Welt, in der sich ihr Leben abspielte, zur Darstellung zu bringen. Eine gewisse Beschäftigung insbesondere mit der politischen Zeitgeschichte ist überdies elementare Voraussetzung für das Verständnis der prophetischen Sprüche, insofern als diese vielfach — wir verweisen auf das zitierte Kapitel aus Jeremia — historisch-politischen Inhalt haben. ( In dieser Beziehung kann die Prophetenlektüre fruchtbar werden für den biblischen Geschichtsunterricht, allerdings für einen Geschichtsunterricht auf der Oberstufe, der meines. Wissens bisher noch nicht eingeführt ist und der die wichtigsten Epochen der Geschichte Israels und Judas insbesondere die Zeit von der Herrschaft Jerobeams II. im Nordreich bis zur Eroberung Jerusalems durch Nebukadnezar zu umfassen hätte. In einem solchen Geschichtsunterricht, der mit einer vergleichenden Lektüre der historischen Schriften verbunden sein könnte, müßten in chronologischer Reihenfolge die Propheten- Sprüche politischen Inhalts eingeordnet werden. Es braucht kaum gesagt zu werden, daß ein solcher Geschichtsunterricht sich nicht auf die israelitisch-jüdische Geschichte und auf das Eingreifen jener fremden Mächte, die ihren Verlauf mitbestimmten, beschränken dürfte, sondern daß die Geschichte Israels, insbesondere in dem oben erwähnten Zeitabschnitt,