Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1929)
- Date
- 1929-05-01
- Page
- Seite 228 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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228 Die Prophetenlektüre im Religionsunterricht als die Darstellung der kommenden Ereignisse auf die verschiedenste Weise unterbrochen wird. Hörten wir eben noch eine packend dramatische Sch’ilderung des feindlichen Angriffs ״Siehe wie Gewölk steigt er (der Feind) herauf und wie Sturmwind sind seine Wagen, rascher als Adler sind seine Rosse..so vernehmen wir un-׳ mittelbar darauf eine ernst eindringliche Warnung: ״Reinige vom Bösen dein Herz, Jerusalem, damit dir geholfen werde...“. Führt der Prophet die realistische Darstellung des Zukünftigen soweit, daß er uns schon die Wirkung jener kommenden Ereignisse auf seine Seele schildert, so tönt in die elementaren Ausbrüche seines gequälten Innern, in sein erschütterndes Stammeln: ״Mein Inneres, mein Inneres,.— ich erbebe — die Wände meines Herzens, — mein Herz wogt in mir.. .“ eine wehmütige Klage über die Torheit des Volkes hinein. Gott selbst ist es, dessen Wort das Wort des Propheten unter-; bricht. Doch schon wechseln die Personen des Dramas, schon ändert sich die Szenerie. Ein verwüstetes Land liegt vor uns — Juda nach der Verheerung durch den Feind. Aber ist es auch das Reich Juda? Ist es nicht die Erde selbst? ja der ganze Kosmos, der still und öde geworden ist? ״Ich sah die Erde, und siehe, das Chaos, und zum Himmel empör; fort war sein Licht“. Horch! eine trotz allem trostverheißende Stimme: ״zur Einöde wird das ganze Land, aber gänzlich vem niehten will ich es nicht.“ Und wieder tönt in den Chor ein neuer Klang hinein: selbst die unbelebte Natur nimmt Anteil an dem unseligen Schicksal des Menschen. ״Darum trauert die Erde und der Himmel verfinstert sich in der Höhe“. Aber aus solchem Ausblick in die Weiten werden wir jäh zurüclc-. geschleudert in das Getümmel des Kampfes. Da brausen die Reiter heran, die Einwohner der Städte entfliehen, ״alle Stäcffö liegen ^erlassen da und kein Mensch ist darin“. Und erhebt wieder der Prophet seine Stimme; dieses MabrhröH ätzenden ..Spottes über die Tochter Zion, die nichts ahntngigtt der bitteren Nähe des Todes; hart, unbarmherzig zeichnet-^!: ihr-Bild, als das einer Buhlerin, die sich• für-ihre Liebhaber