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Jeschurun · 1929-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1929) · p. Seite 226

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1929)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1929)
Date
1929-05-01
Page
Seite 226 (sequence 8)
Language
German
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226 Die Propheteniekt&re im Religionsunterricht Wüste einen Weg zu bahnen, setzt das messianische Motiv sieghaft ein, entfaltet sich in leuchtenden Farben (״jedes Tal hebt sich, jeder Berg und Hügel senkt sich“), um schließlich als machtvoller Hymnus zu enden: ״daß sich die Herrlichkeit des Ewigen offenbare, und alles Fleisch es erschaue, denn des Ewigen Mund hat es verheißen.“ Wieder ertönt eine überirdische Stimme: ״Rufe!“ Angstvolles Fragen antwortet ihr: ״was soll ich rufen?“ Eine feierlich ernste, fast düster monotone Melodie setzt ein, es ist das schwermütige Lied von der Vergänglichkeit des Menschen, das Motiv des Zweifels, der sich steigert zu trostloser Resignation. ״Es verdorrt das Gras, es verwelkt die Blume, wenn der Odem des Ewigen sie anweht, wahrlich Gras ist das Volk.“ Der Hörer befindet sich in höchster Spannung. Waren jene tröstlichen Klänge nur Schein? War die messianische Hoffnung vergebens? Nur ein großer Tonkünstler kann das nachschaffend gestalten, was jetzt geschieht. Brahms hat es in seinem deutschen Requiem getan. Aber auch auf Beethovens Sgmphonien dürfen wir hinweisen, um das zu erklären, was Worte nur anzudeuten vermögen: mit der hemmungslosen Wucht einer Naturgewalt bricht das Motiv des Glaubens hervor. ״Es verdorrt das Gras, es verwelkt die Blume, aber das Wort unseres Gottes besteht in Ewigkeit.“ Es ist das Pathos der messianischen Zuversicht, das die tröstliche Botschaft des Propheten zu ihrem Gipfelpunkt führt. Mit ungeheuerem Jubel stürmt das Finale einher: ״Auf einen hohen Berg steige hinauf, du Freudenbotin Zion, erhebe in Kraft deine Stimme, du Freudenbotin Jerusalem.“ Das messianische Motiv ״siehe der ewige Gott kommt mit Macht“ schwillt an zu mächtigem Triumphgesapg, nimmt aber alsbald eine Wendung ins Anmutig-Idyllische, um mit leisem Anklang an das Trostmotiv zu enden: ״Wie ein Hirt weidet er seine Herde, mit seinem Arm sammelt er die Lämmer, in seinem Busen trägt er sie, die säugenden leitet er“.

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