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Jeschurun · 1929-03-01 · Heft 3-4 (März 1929) · p. Seite 218

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1929)
Issue
Heft 3-4 (März 1929)
Date
1929-03-01
Page
Seite 218 (sequence 112)
Language
German
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Volksbildung Verständnis aufbringen würde für die Anpreisung der Bildung von seiten Hillels“. Er fügt zwar hinzu, daß wer seine Pflichten nicht kennt, sie auch nicht einhalten und erfüllen könne. Äber es ist eine schiefe Auffassung, wenn man glaubt, Hillel wolle in diesem Satze ״die Bildung anpreisen“. Das heißt Wasser auf die Mühle der Gegner der Rabbinen schütten. In Wirklichkeit liegt, wie ich in dem erwähnten Aufsatz der Hoffmann’schen Festschrift darzulegen suchte, die Sache ganz anders als sie der Mischnakommentar von Marti und Beer und Chanoch Ä1 b e c k auffassen. Es ist nicht so, daß etwa die Rabbinen ״Bildung“ und Frömmigkeit für identisch gehalten hätten. Davon kann keine Rede sein. Am allerwenigsten bei Hillel, dessen Standpunkt ja in den bekannten Er- Zählungen Sabbat 31a klar zum Ausdruck kommt. Man muß nur unseren Satz richtig verstehen und darf nicht an seiner Oberfläche haften bleiben. Sein Sinn wird sich uns erschließen, wenn wir auf den dritten Satzteil achten und von ihm einen Schluß auf die anderen Satzteile ziehen. Der dritte Satzteil lautet ולא כל המרבה בסחורה מחכים• Hillel sagt nicht, daß wer sich viel mit körperlicher Arbeit abgibt, nicht weise wird. Vielmehr weist Hillel darauf hin, daß ״wer viel Geschäfte betreibt, nicht weise wird“. Hierin ist die polemische Spitze gegen eine herrschende Anschauung ganz deutlich erkennbar. Die herrschende Anschauung war und ist wohl noch heute die, daß man durch Umgang mit vielen Menschen, durch einen engen Verkehr mit der Welt ״weise werde“. Die Kaufleute, die viel in der Welt herumkamen, fühlten sich auch damals den ״weltfremden“ Gesetzeslehrern überlegen. Gegen diese Ueberschätzung der Erfahrungen, die man durch den Verkehr mit vielen Ländern und Menschen gewinne, wendet sich nun Hillel. Das sei noch keine Schule der Weisheit. Zur Weisheit gehöre noch etwas anderes als Handelsverkehr und Reisen. Bloße Geschäftsbetriebsamkeit gewinne und bedinge noch keine Weisheit. Der Satz Hillels enthält also eine Polemik gegen eine irrige Auf-

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