Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1929)
- Date
- 1929-03-01
- Page
- Seite 216 (sequence 110)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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216 Zfer Zaddik, ein Drama von Ärthur Sakheim Vielleicht läßt sich das Heimelige, Käsende der ״jiddisehen“ Sprache, aber auch das Grausige, Spukhafte, Abenfeuernde, Dämmerige der chassidischen Vorstellungswelt, geschöpft aus dem Sonar mit seinen übermenschlichen Gesichten und Eng elschören und Teufelsfratzen, vielleicht läßt sich dies alles im Deutscher; überhaupt nicht ganz angemessen wiedergeben, ohne dem Bombast bedenklich nahe zu kommen. Sakheim ist ein großer Kenner der Kabbala, ein großer Wortpräger (sein Buch ,,Das jüdische Element in der Weltliteratur“ hat es glänzend erwiesen.2). Äber der Dramatiker muß maßhalten können, auch in seinen Darstellungsmittein. Prasselnde Weißglut der Worte, und Gottseligkeit der Gefühle ersticken auf di2 Dauer den Hörer und lähmen, wenn die Intensitätsgrenze erreicht ist, seine Aufnahmefähigkeit. Das Stück ist ein mächtiger Anreger für Denkfähige, doch es wird, so befürchten wir, das Los aller Lesedramen teilen: es wird das Rampenlicht nicht lange vertragen und mehr seelisch als szenisch interessieren. Unsres Erachtens könnte das Drama nur durch eine Ueber- Setzung ins Jiddische oder ins Hebräische und zwar durch eine Aufführung der Habimah oder der Moskauer Truppe bei entsprechendem Rahmen bühnenwirksam gemacht werden. Durch eine solche Edeltruppe könnte die mythische Gestalt des Rabbi und seine ganze Erlebniswelt und Umgebung zu menschlischen und plastisch nahen Schöpfungen nachgestaltet werden. Dann könnte auch der kühne Grenzfall: Der Zaddik, als Mischung russischer Wildheit und Erlösungssehnsucht wie jüdischer Gottverbundenheit dargestellt, mit größerer Glaubhaftigkeit und Wahrscheinlichkeit zu dramatischem Leben erweckt werden. Für das Rußland der Pogrome und der gewaltsamen Massenübertritte mag das Grundproblem dieser Dichtung noch um einen aktuellen Reiz gewinnen. Uns Juden 2) s. Jeschurun, XI. Jahrgang, Heft 9/10.